AlteNeustadt l Lautes Pfeifen und Dampf aus dem Zylinder konnten die Kühe nicht von den Gleisen vertreiben. Daran erinnert sich Volkmar Prinzke noch genau. Der heute 78-Jährige war damals Lokführer und unterwegs von Roßlau nach Magdeburg. "Es war Nacht und wir mussten plötzlich einen Halt einlegen, weil Kühe auf den Schienen standen", sagt der Eisenbahnfreund. Doch der Krach beeindruckte die Tiere wenig. "Die haben uns nur blöd angeguckt und sich nicht vom Fleck bewegt." Schließlich habe er neben der Strecke ein kleines Feuer gemacht. "Das hat die Kühe angelockt und wir konnten weiterfahren", sagt der Magdeburger. "Ein Lokführer muss eben einfallsreich sein."

Heute und morgen fahren die historischen Bahnen

Lokführer, das ist Volkmar Prinzke durch und durch. "Mein Vater war Lokführer und hat mich hin und wieder mitgenommen", erzählt er. Da sei der Berufswunsch schnell klar gewesen. "Einprägsame Episoden wie die mit den Kühen habe ich in all den Jahren in Tagebüchern festgehalten." Dass mit dem Ruhestand die Bahn aus seinem Leben verschwinden sollte: "Unvorstellbar!" Mit Kollegen gründete er deshalb 1995 den Verein der Magdeburger Eisenbahnfreunde.

Zweimal im Jahr laden die 30 Mitglieder des Vereins mit einem Familienfest dazu ein, die Begeisterung für historische Eisenbahnen mit ihnen zu teilen. Sofern keine Kühe auf den Gleisen stehen, ist an diesem Wochenende wieder einmal Betrieb auf dem Gelände der Magdeburger Hafenbahn. Jeweils ab zehn Uhr öffnet am Sonnabend und Sonntag die Werkstatt in der Niels-Bohr-Straße 51. Zu sehen sind dort Modellstraßenbahnen des Vereins der Magdeburger Straßenbahnfreunde. Vor der Werkstatt fahren eine Garten- und eine Fünf-Zoll-Bahn. "Die ist so konstruiert, dass sie auf den regulären Gleisen fahren und Kinder transportieren kann", erklärt Marco Schumann.

Der 41-Jährige ist seit 2006 Magdeburger Eisenbahnfreund. "Die Begeisterung dafür fing viel früher an", sagt er. Seine Großväter seien Sicherheitsinspektor und Zugfertigsteller, sein Vater Abnahmeingenieur bei der Bahn gewesen. "Beruflich schlage ich als Diplom-Informatiker zwar aus der Reihe, aber das Interesse für die Bahn ist erhalten geblieben."

Ob echte oder Modellbahnen, "der größte Wunsch ist immer, die Fahrzeuge in Bewegung zu erleben", sagt Schumann. Ab elf Uhr heißt es deshalb heute und morgen "Alles einsteigen, bitte!". In die Schnellzugwagen der ehemaligen deutschen Reichsbahn. Die Fahrten beginnen im 90-Minuten-Takt und führen bis zum Hansehafen. "In einem ehemaligen Mitropa-Wagen können sich die Gäste mit Kaffee und Kuchen bewirten lassen", sagt Schumann. "Und wer die Gleise mal aus Lokführerperspektive sehen möchte, kann in einer Kleinlokomotive mitfahren."

Schiffe und Krane erzählen Hafengeschichte

Doch nicht nur Bahnfreunde sind zum Fest geladen. "Das Gelände erzählt die Magdeburger Hafengeschichte", sagt Bernd Lange. Er zählt zu den Gründungsmitgliedern des Eisenbahnvereins. "Alte Krane, Schiffe und die Hafenarchitektur sind zu sehen." Für die Kleinsten gibt es eine Bastelstraße und ein Trampolin. Und gegen Kühe auf den Schienen glühende Grillkohle.