Rothensee l 45 Fragen hatten das Oberbürgermeisterbüro im Vorfeld erreicht, die Antworten darauf füllten mehrere DIN-A4-Seiten, erklärte Lutz Trümper zu Beginn des Treffens. Das Vorlesen ersparte er sich jedoch und ging nur auf die vermeintlich wichtigsten Fragen ein.

Als Allererstes stand die Frage nach einem neuen Kindergarten für die Ortslage zur Debatte. Die Einrichtung in der Badeteichstraße wartet seit längerem auf eine Sanierung, das vergangene Hochwasser tat sein Übriges. Weil es für den von der Stadt geplanten Abriss und Neubau aber keine Fördermittel aus dem Stark-III-Programm des Landes gibt, musste man umdenken. Am Dienstag soll es dazu eine Drucksache aus dem Sozialdezernat geben, in der in einer Prioritätenliste auch die Rothenseer Kita stehen wird, erklärte das Stadtoberhaupt.

Zu vielen Anfragen zu leer stehenden oder verwahrlosten Grundstücken konnte er keine Auskunft geben, weil dies in der Regel Eigentümersache ist. Dazu zählen die Freiflächen an der Eschenröder Straße, ein Areal an der Oebisfelder Straße und das ehemalige Arbeitsamt in der Badeteichstraße. Über Bauanträge oder Ähnliches ist der Stadt jeweils nichts bekannt.

Abriss für Friedhofskapelle

Auch was mit der ehemaligen Kaufhalle in der Jersleber Straße geschieht, konnte die versammelte Verwaltungsriege nicht beantworten. Nach Volksstimme-Informationen soll dort aber eine Versorgungseinrichtung u.a. für Getränke eröffnen. Der Eigentümer erklärte auf Nachfrage, dass es in den kommenden Wochen dazu Entscheidungen geben wird.

Für die seit Monaten gesperrte Friedhofskapelle ist das Ende hingegen besiegelt. Das Bauordnungsamt hat dem Stadtgartenbetrieb den "Befehl gegeben, sie abzureißen", so Trümper. "Das ist so. Was danach kommt, weiß ich noch nicht", erklärte er weiter.

Die Sekundarschule "August Bebel" wird vorerst stehen bleiben und weiterhin als Lager für den Fachbereich Schule und Sport genutzt, antwortete Trümper auf eine weitere Bürgerfrage. Angesichts der aktuell angespannten und vor allem in Zukunft unsicheren Situation bei den Schülerzahlen "werden wir uns nicht hinreißen lassen, sie abzureißen", sagte er.

Gerd Neumann wünschte sich unter Zustimmung vieler Zuhörer eine Spritzschutzwand an der Haltestelle an der Grundschule. Schließlich gebe es diesen auch an den anderen Stopps der Strecke. MVB-Geschäftsführerin Birgit Münster-Rendel erklärte, dass der Spritzschutz bei neu angelegten Haltestellen Standard und deshalb zum Beispiel an der Hohenwarther Straße zu finden sei. Eine Installation an der Schule werde man aber überprüfen, versprach sie.

Auf zwei Fragen zur eher überschaubaren Nahversorgung in der Ortslage hatte Trümper keine zufriedenstellende Antwort parat. "Die brutale Wahrheit ist, wir können gar nichts tun", sagte er. Die Stadt könne niemand zwingen, dort ein Geschäft zu eröffnen.

Auf die Frage nach einer geplanten Biovergärungsanlage im Industriegebiet Rothensee oder Ottersleben antwortete der Wirtschaftsbeigeordnete Rainer Nitsche, dass man die Standortsuche noch nicht weiter vorangetrieben habe. Aus derzeitiger Sicht sei sie ohnehin wirtschaftlich nicht sinnvoll, weil die Müllmengen gar nicht ausreichen, ergänzte der OB.

Keine Bahn bis zum Strand

Und dann gab es da noch jeweils eine geniale, harte und schlimme Frage. Genial fand OB Trümper die Nummer 37, in der ein Rothenseer anregte, eine Umfrage im Stadtteil zur Eingemeindung nach Barleben durchzuführen. Auch wenn nicht klar sei, wer wohin eingemeindet werden soll, würde beides nicht passieren, weil es dafür keine politischen Mehrheiten gebe. Unnötig wäre es sowieso, weil man "eine vernünftige Entwicklung in Rothensee auf den Weg gebracht" habe. Hart sei die Frage nach einer erhöhten Krebsrate in Rothensee gewesen, so Trümper. Dafür gebe es jedoch "null statistische Hinweise".

Der Rothenseer Harald Strauß kam noch mit einer "schlimmen" Frage zu Wort. Er erkundigte sich nach der Möglichkeit, die schon immer geplante Verlängerung der Straßenbahn bis zum Barleber See zu realisieren. Angesichts der zahlreichen Baustellen der MVB nicht nur in Rothensee, sondern in der ganzen Stadt fiel die Antwort darauf wenig überraschend negativ aus. "Es muss ein Geschäft drohen und da droht nichts", erklärte der Rathauschef nur.

 

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