Magdeburg l Die letzte Eisengießerei Magdeburgs bekommt eine zweite Galgenfrist. Der Industriebetrieb soll nun erst Ende Oktober geschlossen werden. Das bestätigte der Betriebsratsvorsitzende der Global Castings Magdeburg, René Kündinger, auf Volksstimme-Nachfrage.

Ursprünglich sollte der Industriebetrieb Ende April schließen. Das wurde vom Amtsgericht Magdeburg jedoch gekippt. Betriebsrat und Geschäftsleitung hatten einen Vergleich geschlossen (AZ 5BVGa3/14). Beide Parteien hatten sich geeinigt, dass Fertigungs- und Modellanlagen vorerst nicht abtransportiert werden. Als neuer Termin wurde der 13. Juni festgelegt. Nun steht nach Informationen der Volksstimme der 24. Oktober im Raum. Grund für die erneute Verzögerung sollen Verhandlungen zum Sozialplan gewesen sein. Nun erhalten die 100 Mitarbeiter voraussichtlich erst Ende Juni ihre Kündigungen.

Nach Bekanntgabe der ersten Galgenfrist hatte es unter der Belegschaft noch Hoffnung auf einen Investor gegeben. Doch diese Hoffnung habe sich in Luft aufgelöst. "Der edle Reiter auf dem weißen Roß ist nicht gekommen", sagte Kündinger. Zwar sterbe die Hoffnung bekanntlich zuletzt, aber man gehe derzeit nicht davon aus, dass es noch eine Rettung in letzter Minute geben wird, Kündinger weiter.

Magdeburgs Wirtschaftsbeigeordneter Rainer Nitsche sagte der Volksstimme, dass vier von fünf Interessenten abgesprungen sind. Derzeit laufen noch Gespräche mit einem möglichen Investor aus dem Ausland. Eine Entscheidung soll hier in den nächsten Wochen fallen.

Die Magdeburger Gießerei fertigt mit insgesamt 100 Beschäftigten Bauteile für die Windkraftindustrie. Die Entscheidung für das Aus des Standortes war mit der nur geringen Auslastung (50 Prozent) der Gesamtkapazität begründet worden. Die wirtschaftlich schwierige Lage in der Gießereiindustrie habe eine strategische Neuausrichtung der Global Castings Group erfordert, hieß es aus dem Unternehmen.

In einem offenen Brief hatte sich die Belegschaft Mitte April an die Geschäftsleitung gewandt. Darin warfen sie der Chefetage vor, mit falschen Zahlen zu hantieren. Bei den in Magdeburg gefertigten Teilen handele es sich um Produkte für einen wachsenden Markt mit zuletzt steigender Nachfrage. Weiter hieß es: "Auch bei einer derzeit geplanten Auslastung von rund 60 Prozent ist Global Castings Magdeburg in der Lage, einen Gewinn zu erwirtschaften."

Der Betrieb in Magdeburg hat eine mehr als 100-jährige Tradition. Die Jahreskapazität liegt bei 20.000 Tonnen. Erst 2013 trennte sich der Windkraftanlagenhersteller Vestas von der Gießerei und verkaufte das Werk an die Beteiligungsgesellschaft Global Castings.