Magdeburg l Von wegen: Die Jugend ist nicht reif für die Politik. Anlässlich der Kommunalwahlen am kommenden Sonntag hat der Stadtjugendring Magdeburg (SJR) sich seit mehreren Wochen der Initiative "Jugend bildet Meinung!" hingegeben - unter anderem mit Diskussionsrunden und einem Kochabend für Jugendliche und Kommunalpolitiker (die Volksstimme berichtete).

Kurz vor dem Urnengang der Magdeburger Wähler nun haben die Vertreter des Vereins, in dem eine Vielzahl an Organisationen der freien Jugendarbeit versammelt ist, Magdeburger Parteien "Feedboxen" übergeben. Ort des Geschehens: der Alte Markt. Wo nebenan die Händler frischen Spargel und aromatische Erdbeeren anpreisen, haben die Vertreter des SJR am Rathaus eine Wäscheleine gespannt und einige Forderungen junger Menschen aufgehängt. Ein Passant schüttelt beim Blick auf die eine den Kopf: "Autofreie Innenstadt? Diese Spinner!"

"Die Feedboxen sollen den Stadträten Futter für ihre kommunalpolitische Arbeit bieten", sagt Liane Kanter, Vorsitzende des SJR. Und zwar zunächst in Form einer eigens verfassten Broschüre und Traubenzucker. Letzterer, um die Politikerhirne zu unterstützen. "Gerade Kinder und Jugendliche müssen von Anfang an im demokratischen Prozess mitgenommen werden", sagt Liane Kanter. Da der Nachwuchs Zukunftsträger von Stadt und Land sei, müssten seine Perspektiven einen hohen Stellenwert haben.

SJR-Geschäftsführer Fabian Pfister erläutert, wie das Futter in Form der Broschüre in die Futterkästen für Kommunalpolitiker gelangt ist: "Neben den Veranstaltungen haben wir den Kindern und Jugendlichen die Frage gestellt: Was brauchst du, um in deinem Stadtteil und in Magdeburg glücklich zu sein?" Die Antworten waren ebenso vielfältig wie überraschend: "Keineswegs ging es allein darum, dass sich junge Menschen eine Achterbahn wünschen", berichtet Fabian Pfister. Wenngleich die in dem Heftchen ebenfalls vermerkt ist. Neben Raum für Freizeit in Form von Spiel- und Sportplätzen waren auch Wünsche zur Sicherheit und Sauberkeit Thema. Ein Kind von acht Jahren aus Sudenburg antwortete auf die Frage, was notwendig sei, um glücklich zu sein: "Dass die Leute die Hundekacke aufsammeln." (Weitere siehe Infokasten.)

Die Wünsche an den neuen Stadtrat erscheinen folgerichtig: Mehr Geld soll für Freizeitgestaltung fließen und der öffentliche Personennahverkehr soll verbessert werden. Und insgesamt solle öfter zugehört werden, was sich der Nachwuchs wünscht und welche Ideen er einbringt.

Vier Parteien kommen zur Übergabe der Wünsche

Zur Übergabe der Feedboxen waren Vertreter einer satten Mehrheit des alten Stadtrats erschienen - von SPD, CDU, Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen. Fabian Pfister ließ es sich nicht nehmen, sich von den Partei-Verantwortlichen Willensbekundungen unterschreiben zu lassen, dass man die Wünsche von Kindern und Jugendlichen beachten wolle. "Die kommen jetzt in den Panzerschrank", sagte der SJR-Geschäftsführer. Ohne allerdings zu vergessen, dass Magdeburg in den vergangenen Jahren ein hohes Engagement für die Kinder- und Jugendarbeit gezeigt habe.

Anderen Parteien möchten die SJRler noch ihre Exemplare zukommen lassen. Und auf jeden Fall möchte der SJR das Thema nach den Wahlen am Sonntag nicht zu den Akten legen: Die Initiative soll langfristig bestehen bleiben und dazu dienen, die Jugendhilfeplanung weiterzuentwickeln, und zwischen Kindern und Jugendlichen einerseits und der Kommunalpolitik andererseits vermitteln.

Im Kinder- und Jugendring sind 26 Organisationen beteiligt - von der Aktion Musik über den Caritasverband und den CVJM, den evangelischen Kirchenkreis, die jungen Humanisten und den Verein Spielwagen bis hin zur SJD - Die Falken. In der Initiative "Jugend bildet Meinung" haben darüber hinaus auch andere Einrichtungen mitgewirkt - so die Evangelische Grundschule und die Sekundarschule Max Wille.

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