Magdeburg l "Es war einer der größten Oberleitungsschäden der Nachwendezeit", sagte MVB-Pressesprecher Tim Stein. Die Verkehrsbetriebe hätten zwar immer mal wieder Probleme mit abgerissenen Fahrdrähten unter der Eisenbahnbrücke in der Ernst-Reuter-Allee (Kölner Platz), da dort Lkw-Fahrer manchmal die Durchfahrtshöhe falsch einschätzten, die Havarie am Anfang dieser Woche im Breiten Weg sei aber viel umfänglicher gewesen.

Fest steht: Ein Lkw-Fahrer war aus der Danzstraße in den Breiten Weg abgebogen, hatte aber wohl vergessen, den Kran am Lastwagen einzufahren. Der Kran blieb an der Oberleitung hängen und zerriss eine Fahrleitung der Straßenbahn. Insgesamt wurden dadurch auf einer Länge von rund 650 Metern Fahrdrähte, Tragwerke, Trennschalter, Tragseile und Einspeisungstechnik beschädigt, so Tim Stein. Dieser große Schaden erkläre auch die hohen Reparaturkosten von 250.000 Euro. "Es mussten beispielsweise 250 Meter Fahrleitung komplett ausgewechselt werden", sagte Stein. Auch mussten ganze Leitungsbaugruppen ausgetauscht werden, da sie durch den Unfall mechanisch überansprucht wurden und darum nicht mehr sicher waren. Für den Schaden werde der Verursacher oder aber die Haftpflichtversicherung des Schönebecker Unternehmens, dem der Lkw gehört, aufkommen müssen.

Dass die Reparatur schneller gegangen sei, als man kurz nach der Havarie noch angenommen hatte, sei dem Umstand zu verdanken, dass die MVB auf solche Lagen vorbereitet seien, meinte der Pressesprecher. Oberleitungsschäden könnten die Verkehrsbetriebe in der Regel selbst beheben. "Unsere Mitarbeiter der Stromversorgung, die für die Oberleitung zuständig sind, arbeiten im Schichtsystem. Wir haben dabei auch ,Hintergrunddienste`, das heißt, die Mitarbeiter stehen auf Abruf bereit", erklärte Tim Stein dazu. Für den Schaden am Montag habe man aber zusätzlich eine Fremdfirma hinzuziehen müssen. "Wir haben sogar die Hilfe der Halleschen Verkehrs-AG angeboten bekommen, wofür wir sehr dankbar sind." Man habe auch das Glück gehabt, über genügend eigenes Material zur Behebung der Havarie zu verfügen. Sonst hätte man über andere Straßenbahnbetriebe, Fahrleitungsbaubetriebe oder Lieferanten Materialien bundesweit besorgen müssen. Das hätte mit Sicherheit viel Zeit gekostet.

Die Havarie wird allerdings noch ein paar "Nachwehen" haben: "Die Schäden sind so schwer, sodass wir die Oberleitung nur provisorisch reparieren konnten, damit der Verkehr wieder rollen kann. Es ist jedoch demnächst eine Sperrung von 2 bis 3 Tagen erforderlich, um die Oberleitung neu aufzubauen", sagte Tim Stein.

Die Polizei liefert zu dem Unfall noch eine Randnotiz: Einem Autofahrer, der an der Unfallstelle warten musste, gingen offensichtlich die Nerven durch. Er beschimpfte die Polizisten, die den Verkehr regelten, aufs Allergröbste. Als seine Personalien aufgenommen werden sollten, fing er auch noch an zu randalieren, wurde von der Polizei aber überwältigt. Der 49-Jährige war mit Klappmesser und Pfefferspray bewaffnet.