Magdeburg l Der Streit um das ehemalige Reichsbahnausbesserungswerk (RAW) geht in die nächste Runde. Ein behördliches Gutachten kommt zu dem Schluss, dass die Immobilie trotz Schäden durch eine Brandstiftung nach wie vor ein Denkmal ist. Damit steht auch dem Verfahren vor dem Verwaltungsgericht Magdeburg am 24. Juni nichts mehr im Weg. Ein Richter muss dann entscheiden, ob ein Investor auf dem ehemaligen Bahngelände einen Solarpark errichten und dafür die zum Teil denkmalgeschützten Bauten abreißen darf.

"Das Denkmal wurde zwar beschädigt, aber nicht zerstört. Das Verfahren wird weitergeführt", kommentierte die Sprecherin des Landesverwaltungsamtes, Denise Vopel, auf Nachfrage der Volksstimme. Der Eigentümer, der das RAW-Gelände von der Bahn gekauft hatte, will gemeinsam mit einem Berliner Investor auf dem Gelände einen 10-Megawatt-Solarpark errichten. Eine Mehrheit der Stadträte hatte 2012 eine Einleitung eines Bebauungsplanverfahrens beschlossen. Allerdings stellte sich die obere Denkmalschutzbehörde quer. Der Eigentümer reichte daraufhin Klage ein, die nun verhandelt werden soll.

Vor einem Monat war dann ein altes Verwaltungsgebäude in der Nähe der alten Werkhallen abgebrannt. Spürhunde der Kriminalpolizei hatten an mehreren Stellen Brandbeschleuniger gefunden. Hätte dieser Geländeteil durch das Feuer seinen Schutzstatus verloren, wären die Denkmalschützer von dem Verfahren vor dem Verwaltungsgericht abgerückt. Das zerstörte Verwaltungsgebäude habe keine Auswirkungen auf die Gesamtdenkmalwürdigkeit des RAW Magdeburg-Salbke als ehemalige Eisenbahn-Großreparaturwerkstatt von überregionaler Bedeutung, heißt es von den Denkmalschützern. Der Berliner Solarinvestor war gestern für die Volksstimme bis Redaktionsschluss telefonisch nicht erreichbar. Per Mail gestellte Fragen blieben auch unbeantwortet.

Kurz nach dem Brand wurde auf der Internet-Plattform Openpetition ein Aufruf zum Erhalt des Industriedenkmals gestartet. Als Ziel gaben die Initiatoren 5000 Unterschriften an. Am morgigen Mittwoch läuft die Petition aus - und wird wahrscheinlich hinter den Erwartungen zurückbleiben. Bei Redaktionsschluss hatte der Aufruf knapp 1200 Unterstützer. "Wir hätten auch gedacht, dass mehr Menschen mitmachen", sagte Mitinitator Uwe Pigors. Der Industriefotograf kündigte an, dass die Unterschriftenliste trotzdem an den Investor, den Magdeburger Oberbürgermeister und die Denkmalschützer übergeben werden soll. "Wir fänden es gut, wenn alle Beteiligten an einem Runden Tisch eine gemeinsame Lösung finden", so Pigors weiter.

Immer wieder war das RAW-Gelände in den vergangenen Jahren in die Schlagzeilen geraten: eingestürzte Dächer, offene Schächte und ein vom Schornstein abgestürzter Kletterer. Wiederholt wurden auch Tore mutwillig geöffnet.