Magdeburg (kng) | Zwei lang gehegte Träume gehen derzeit für Lutz Buchmann, den langjährigen Leiter des Magdeburger Gesellschaftshauses, in Erfüllung: Auf einer Almhütte greift er fünf Monate lang einer jungen Schweizer Bauernfamilie unter die Arme. Dort tauscht er Schreibtisch gegen Heugabel und Melkschemel.

Einen Tag vor der Abreise gab es für ihn einen Termin in einer zweiten Herzensangelegenheit: Als Buchmann am 31. Januar seinen Abschied in den Ruhestand feierte, bat er Kollegen und Freunde statt üblicher Geschenke um Spenden für ein "Sorgenkind" des Telemann-Archivs. 1000 Euro kamen so zusammen für die dringend notwendige Restaurierung des ersten deutschsprachigen Musiklexikons, das "Musicalische Lexicon oder musicalische Bibliothek" aus dem Jahr 1732.

Der über 300 Jahre alte Wälzer ist für die Musikwissenschaftler ein großer Schatz. Denn er enthält die zweite Autobiografie Telemanns. Erhalten ist ein Brief Telemanns an den Herausgeber Johann Gottfried Walther, in dem der Komponist Notizen zu seiner Biografie übermittelte. Walther übernahm Telemanns Angaben stellenweise wörtlich in das Lexikon. "Wir haben wenig Originalmaterial von Telemann in unseren Beständen, daher ist ein solches Dokument als eine echte historische Quelle zu bewerten", freut sich Carsten Lange, Leiter des Telemann-Zentrums.

Das Lexikon gibt nicht nur Auskunft über die Musik der Zeit, sondern auch zur musikalischen Aufführungspraxis und zu musiktheoretischen Fragen.

Hergerichtet wird das Buch nun von der Buchrestaurierung Leipzig, einer von wenigen Spezialwerkstätten in Deutschland. Neben der Restaurierung des Halbledereinbandes müssen besonders geschädigte Blätter restauriert, Risse geschlossen und die Heftung stabilisiert werden. Da das Buch so alt ist, stehen die Chancen dafür sehr gut. Das verwendete Papier wurde noch nicht, wie im 19. Jahrhundert, mit Säure behandelt. "Das wäre uns dann viel früher zerbröselt", sagt Dr. Buchmann.

Fünf Monate lang dauert die Restaurierung. Der ehemalige Leiter des Telemann-Zentrums freut sich schon jetzt darauf, nach seiner Rückkehr von der Alm einen der wertvollsten Schätze des Telemann-Zentrums im restaurierten Zustand zu bewundern.