Magdeburg l Die Magdeburger Verwaltung will die vor dem Aus stehende Eisengießerei in China bewerben. Das sagte der Wirtschaftsbeigeordnete Rainer Nitsche der Volksstimme. Gemeinsam mit anderen Vertretern der Landeshauptstadt fährt er bald in die chinesische Partnerstadt Harbin. Im Gepäck: ein Exposé der letzten Eisengießerei Magdeburgs. "Wir wollen nichts unversucht lassen", so Nitsche.

Tatsächlich schließt sich das Zeitfenster für eine Rettung des Industriebetriebes in letzter Sekunde. "Am 25. Oktober ist Schluss", sagte Gießerei-Geschäftsführer Jörg Vogel. Die Produktion soll noch bis zum 24. Oktober weiterlaufen. Bis Ende Juni sollen die 100 Mitarbeiter ihre Kündigung erhalten. Die Magdeburger Fertigung soll dann auf vier andere Standorte der Global Castings Group verteilt werden.

Erst 2013 trennte sich der Windkraftanlagenhersteller Vestas von der Gießerei und verkaufte das Werk an die Beteiligungsgesellschaft Global Castings. Neben dem Werk in Magdeburg wird auch ein Standort in Norwegen geschlossen.

Zwischenzeitlich soll es fünf Kaufinteressenten für die Magdeburger Eisengießerei gegeben haben. Vier seien bereits abgesprungen. Ein Interessent soll noch übrig geblieben sein. "Wir können aber im Moment nicht einschätzen, ob es sich dabei um einen ernstzunehmenden Interessenten handelt", sagte Geschäftsführer Vogel der Volksstimme auf Nachfrage. Bisher laufe die Kommunikation mit dem potenziellen Investor nur über Dritte. "Wir wollen keine falschen Hoffnungen wecken", so Vogel weiter.

Die Magdeburger Gießerei fertigt mit insgesamt 100 Beschäftigten Bauteile für die Windkraftindustrie. Die Entscheidung für das Aus des Standortes war mit der nur geringen Auslastung (50 Prozent) der Gesamtkapazität begründet worden. Die wirtschaftlich schwierige Lage in der Gießereiindustrie habe eine strategische Neuausrichtung der Global Castings Group erfordert, hieß es aus dem Unternehmen.

In einem offenen Brief hatte sich die Belegschaft Mitte April an die Geschäftsleitung gewandt. Darin warfen sie der Chefetage vor, mit falschen Zahlen zu hantieren. Bei den in Magdeburg gefertigten Teilen handele es sich um Produkte für einen wachsenden Markt mit zuletzt steigender Nachfrage. Weiter hieß es: "Auch bei einer derzeit geplanten Auslastung von rund 60 Prozent ist Global Castings Magdeburg in der Lage, einen Gewinn zu erwirtschaften."

Mittlerweile soll der Betriebsrat auch eine Antwort auf das Schreiben erhalten haben. Die Antwort kam direkt aus München, von der VTC Partners GmbH, der Gruppe hinter Global Castings. Die Schließung des Magdeburger Standortes werde nicht rückgängig gemacht, so der Tenor. Laut Eigenbeschreibung erwirtschaftet die VTC-Gruppe mit ihren Tochterunternehmen einen Jahresumsatz von mehr als 700 Millionen Euro und beschäftigt weltweit rund 4000 Mitarbeiter. Der vor dem Aus stehende Standort in Magdeburg hat eine mehr als 100-jährige Tradition.