Magdeburg l Das Baudenkmal von Johannes Göderitz ist umgezogen. 85 Jahre lang stand der unscheinbare Bau in der Weidenstraße auf dem Werder, jetzt befindet sich das Gebäude in Rothensee. Das Göderitzhaus soll nicht nur einer von Deutschlands ersten "Plattenbauten" sein, sondern der einstige Stadtbaurat soll selbst dort gewohnt haben.

Anlässlich der Theaterausstellung 1927 hatte Göderitz das Haus in Fertigbauweise entworfen. Bis 1928 stand der Bau im Stadtpark zusammen mit einem weiteren und größeren Wohnhaus. Die Gebäude wurden nach der Ausstellung demontiert und auf dem Grundstück an der Oststraße wieder aufgebaut.

Das größere der beiden Häuser wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Das kleinere blieb erhalten und wurde ab 1990 von dem Grundstückseigentümer als Büro für eine Fassadenbaufirma genutzt.

Fachgerechte Sanierung dauerte sieben Monate


Mit der altersbedingten Aufgabe der Firma 2012 entstand bei dem Eigentümer das Interesse einen neuen Besitzer für das historische und denkmalgeschützte Haus zu finden. Eigentlich sollte das Objekt auf ein städtisches Grundstück umgesetzt werden.

Der Eigentümer hatte die berühmte "Platte" bereits der Stadt als Geschenk angeboten. Doch die Verwaltung sah selbst keine Möglichkeiten, das Gebäude langfristig zu betreiben und zu erhalten, hat sich aber bemüht einen geeigneten Nutzer zu finden. Alternativ stand der Abriss und die Einlagerung des Baudenkmals zur Debatte. Doch das wollte Bauunternehmer Frank Toepel nicht zulassen und entschied sich kurzerhand das Objekt zu kaufen.

Das Haus sei ein Stück Kulturgeschichte und man wolle es aus Geldmangel der Stadt nicht verkommen lassen. "Die Förderung von Kunst, Kultur und Sport sind für uns eine Herzensangelegenheit. Als Unternehmen tragen wir eine soziale Verantwortung, welcher wir gerne nachkommen", erklärt Frank Toepel. Sein Bestreben war es, das Gebäude als Geschäftsraum zu nutzen.

Besichtigung zum Tag des Denkmals geplant


Doch zuvor musste das Gebäude wieder vollständig hergerichtet werden, erzählt Polier Gerald Nordmann, der sich um die fachgerechte Sanierung des Denkmals kümmerte. Die belasteten Asbestzementtafeln mussten ausgestauscht und Schäden beseitigt werden. Türen, Fenster, Wände und Böden wurden wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzt.

Statt moderner Lichtschalter wurden beispielsweise alte Drehschalter eingebaut. "Wir haben eng mit der Denkmalschutzbehörde zusammengearbeitet", so Nordmann. Auch die Farbgestaltung von einst wurde übernommen. Grundlage für die fachgerechte Sanierung waren Vorlagen und alte Bilder. Rund sieben Monate hat die Sanierung gedauert, bis der Plattenbau wieder im neuen Glanz erstrahlen konnte.

"Selbst die Denkmalbehörde war über das Ergebnis begeistert", berichtet Gerald Nordmann. Doch nicht alles ist wie im Jahr 1927. Der alte Heizofen wurde durch eine moderne Fußbodenheizung ersetzt, damit die Mitarbeiter im Winter nicht frieren müssen.

Im September wird es die Möglichkeit geben, sich das Haus näher anzuschauen. Am Tag des Denkmals lädt das Bauunternehmen zu einer Besichtigung ein.

 

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