Magdeburg l Es lag ein Schade-aber-geht-nicht-anders in der Ratsluft, als eine Mehrheit (alle Farben außer Linke) am Donnerstag den Abbau der Bahn zum Saisonende 2014 durchwinkte. Zuvor hatte eine ganze Reihe von Räten ihr Bedauern bekundet, sich aber letztlich einsichtig gezeigt in die wirtschaftliche Faktenlage. Mit nur rund 30.000 Passagieren im Jahr fährt die Bahn rote Zahlen ein; obendrein hätte sie nach 2014 (auslaufende Betriebserlaubnis) eine Generalüberholung für rund zwei Millionen Euro nötig gehabt. Die ist ihr - der Bahn - nicht mehr vergönnt.

"Wenn die Leute sie regelmäßig einrennen würden, dann könnte man drüber reden", räumt Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) ein. Sie tun\'s aber nicht. Nur ein Bruchteil der wirtschaftlich ohnehin zu wenigen Parkbesucher (etwa 250.000 im Jahr) steigt ein; jeder Achte. "Es wäre am Ende wirtschaftlicher, würden wir die Leute mit dem Taxi durch den Park fahren", sagte Olaf Meister (Grüne) und bekannte, dass auch sein Lager sich solch schlagenden fiskalischen Argumenten nicht verweigern könne, auch wenn eine beträchtliche Zahl von Magdeburgern den Abschied von der Bahn bedauere.

"Ich selbst bin vielleicht vier, fünf Mal mit der Bahn gefahren, aber habe heute keinen Grund mehr dazu. Sie ist nicht geeignet, Wege durch den Park zurückzulegen, noch hat sie irgendwelche Loopings, die mir zu Adrenalin verhelfen", bescheinigte SPD-Mann Burkhard Lischka der Bahn ein gewisses Maß an Langeweile. CDU-Fraktionschef Wigbert Schwenke nutzte das als Steilvorlage für eine Erinnerung an den vor Jahren gescheiterten Vorstoß seiner Reihen für den Umzug des Zoos in den Elbauenpark: "Mit der Bahn über\'n Löwenkäfig zu fahren, das hätte einen Kitzel gehabt." Die Idee ist Geschichte. Der Zoo rüstet bekanntermaßen am Stammplatz in der Neustadt auf.

Ein ehrliches Statement des Stadtoberhauptes wurde im Rat mit Beifall bedacht. Aus Sicht von Lutz Trümper war es ein "Kardinalfehler", die Bahn nach der Buga überhaupt im Park zu belassen. "Wir haben 15 Jahre lang sinnlos Geld verpulvert." Trümper verwies daneben auf manch andere Baustelle im in die Jahre gekommenen Park. "Wir haben große Probleme mit der Rampe am Jahrtausendturm." Auch er bedarf dringender Sanierung. "Dieser Spaß kostet uns etwa 3 Millionen Euro, aber das werden wir tun müssen, weil der Turm zum Symbol für die Stadt geworden ist und ihr Bild prägt."

"Dass wir das Geld auch zur Sanierung der Bahn übrig hätten, glaubt ja kein Mensch hier im Saal", räumte Linke-Fraktionschef Frank Theile Einsicht auch für seine Reihen ein. Allerdings fehle seiner Fraktion ein Gesamtkonzept für die Zukunft des Parks.

Linke-Frau Karin Meinecke, Mitglied im Aufsichtsrat der Elbauenpark-Gesellschaft, breitete ihre große Sorge aus: "Wir haben gehört, dass auch Kunstwerke dauerhaft aus dem Park verschwinden und Themengärten zurückgebaut werden sollen. Was bleibt dann überhaupt noch?" Die Linke befürchtet, dass schon morgen nicht mehr nur die Bahn, sondern der ganze Park zur Disposition steht - und will das nicht zulassen.

Die Befürchtung teilen viele im Rat, weshalb ein Antrag der Grünen einstimmige Zustimmung fand. Die stadteigene Parkbetriebsgesellschaft muss ein Gesamtkonzept zur zukünftigen Entwicklung des Areals vorlegen, das wiederum im Rat verhandelt werden soll. Außerdem soll der neue Parkgeschäftsführer (Steffen Schüller ist erst 5 Monate im Amt) im Zusammenhang mit der Bahndemontage "neue Transportmöglichkeiten" durch den Park, möglichst variabel und touristisch attraktiv, prüfen. Die Ideen reichen von mietbaren Elektromobilen bis zur Wiedergeburt einer Art von "Pioniereisenbahn".

Am Ende schluckte der scheidende Stadtrat - am Donnerstag tagte das 2009 gewählte Gremium zum letzten Mal - die bittere Pille und verabschiedete sich mit einem unpopulären Votum vom Volke: Die Bahn wird abgebaut und entweder für eine halbe Million Euro verschrottet oder (vorzugsweise) einem Interessenten zur Nachnutzung geschenkt. Zur Zukunft des Elbauenparkes in Gänze ist damit noch kein Wort gesprochen.