Magdeburg l Plötzlich ging nichts mehr! Genau über der Herrenkrugstraße bleibt der Panoramabahn-Zug stehen. Kein Strom mehr, und ohne elektrische Energie bewegt sich der Zug keinen Zentimeter, da sich die Bremsen sofort fest anziehen. Aussteigen können die neun Passagiere, darunter zwei Kinder, nicht, immerhin "schwebt" die Bahn auf freier Strecke rund zehn Meter über dem Boden. Der Fahrer und Mitarbeiter des Elbauenparks versuchen zuerst, das Problem selbst zu lösen, was allerdings nicht ganz einfach ist. Die technischen Anlagen der Bahn "am Boden" können kontrolliert werden, an den Zug selbst kommen die Techniker wegen der Höhe des Gleises über der Herrenkrugstraße nicht heran.

Dem Fahrer bleibt schließlich nichts anderes übrig, als in dieser Situation Polizei und Feuerwehr zu alarmieren. Gegen 12 Uhr gehen die Notrufe in der Leitstelle ein. Bis dahin haben die Passagiere rund eine Stunde in dem Zug festgesessen.

Die Feuerwehr rückt mit zwei Drehleiter-Wagen an, vorsichtshalber sind auch Rettungssanitäter vor Ort. Die Polizei sperrt die Herrenkrugstraße. Dann geht alles sehr zügig. Über die Drehleitern werden die Passagiere aus der Bahn befreit, der Zugführer bleibt bis zum Schluss und klettert als Letzter aus dem Leitstand des Zugs in den Korb der Feuerwehrleiter. Niemand ist verletzt, die beiden Kinder, zwei kleine Mädchen, bekommen als "Trostpflaster" von der Polizei jeden einen Plüschteddy - "weil ihr so tapfer wart", sagt der Polizeibeamte. Feuerwehr, Polizei und Sanitäter rücken wieder ab, gegen 14 Uhr ist die Herrenkrugstraße wieder frei.

Steffen Schüller, Geschäftsführer der städtischen "Messe und Veranstaltungs GmbH" (MVGM), zu der der Elbauenpark gehört, macht sich vor Ort ein Bild von der Havarie. "Das ist durchaus schon des Öfteren vorgekommen, dass ein Zug aus technischen Gründen plötzlich stehen bleibt", sagt Schüller. Bis jetzt habe man das Problem allerdings ohne Hilfe lösen können, indem etwa der zweite Zug den stehen gebliebenen abschleppen konnte. "Das ging dieses Mal aber nicht, da die Bremsen des defekten Zuges fest angezogen waren", so Schüller.

Unterschriftenliste gegen Stilllegung

Ohne den tatsächlichen Schaden gesehen zu haben, gingen die MVGM-Techniker davon aus, dass eine oder mehrere elektrische Sicherungen den Ausfall verursacht haben. "Das können wir aber erst am Montag mit Hilfe einer Hebebühne klären", sagt Steffen Schüller, der noch zu den betroffenen Passagieren Kontakt aufnehmen will, um sich für die Unannehmlichkeiten, die sie hatten, zu entschuldigen.

Ist das jetzt das schnelle "Aus" für die Panoramabahn? "Nein", sagt Steffen Schüller, "so schnell geht es dann doch nicht. Wir denken, dass der Schaden nicht sehr groß ist und dass die Bahn schnell wieder geöffnet werden kann. Außerdem haben wir ja noch einen zweiten Zug."

Die Havarie der Panoramabahn passt indes wie die berühmte "Faust aufs Auge". Am Donnerstag hat der Stadtrat beschlossen, die Bahn abbauen zu lassen. Die Gründe: Zum Ende dieses Jahres läuft die Betriebserlaubnis ab und die Einschienen-Hochbahn müsste für rund zwei Millionen Euro saniert werden. Dem stünden allerdings stark sinkende Fahrgastzahlen gegenüber, so die MVGM. Die laufende Saison soll die Bahn noch fahren, dann wird sie stillgelegt. Dagegen laufen jedoch bereits die ersten Magdeburger Sturm. So hat Heike Guthardt eine Unterschriftenliste für den Weiterbetrieb der Panoramabahn initiiert, auf der schon rund 50 Leute unterschrieben haben, wie sie der Volksstimme berichtete.

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