Magdeburg l So richtig glücklich ist kein Mensch - kein Stadtrat und kein Stadtparkflaneur - mit der heutigen Nutzung des 60-Meter-Riesen. Ältere Magdeburger erinnern sich mit Wonne ans Café unter der gläsernen Kuppel. Jüngere fahren oder laufen wohl mal rauf, gucken staunend runter, aber dann hat sich´s auch schon mit der Faszination. Der Aussichtsturm - 1927 eröffnet, 2005/06 millionenschwer saniert und 2012 nach seinem Architekten Albinmüller benannt - ist von außen imposant, aber daneben ziemlich langweilig; kein Leben in der hohen "Bude".

Die Sanierungspläne zur Jahrtausendwende sahen anderes vor: neben einem Basisneubau für sanitäre, technische und gastronomische Zwecke auch den neuen Ausbau des Turmcafés für eine satte halbe Euromillion. Das Geld wurde gespart und doch nicht - das Cafébudget ging dazumal in der Kostenexplosion der Generalsanierung unter. Freilich wäre es nachrüstbar, das Café, aber es böte nur 16 Plätze, was die Sache nicht eben wirtschaftlich erscheinen lässt. Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) verwies zur jüngsten Turmdebatte im Rat mit Nachdruck auf diesen fiskalischen Fakt.

"In unserem Antrag ist vom Café gar keine Rede", zeigte sich der Grüne Sören Herbst für seine Fraktion denn auch einsichtig ins zumindest mittelfristige Begräbnis der Wiederbelebungsidee. Nichtsdestotrotz fordern die Grünen dringlich eine Befassung mit der Turmnutzung ein. Sie verlangen ein Nutzungskonzept, das ambitioniert auf die Bedeutung des "einzigartigen Bau- und Kulturdenkmals" und seine Rolle als Zentrum der Deutschen Theaterausstellung 1927 in Magdeburg eingeht.

Wenn die Besucher schon oben keinen Kaffee trinken können, so sollen sie doch zumindest die Botschaft mit nach Hause nehmen, in welchem Objekt von Rang sie sich eben bewegt haben. Eine entsprechende Dauerausstellung, so die Intention der Grünen, könnte darüber aufklären. So beinahe unbewirtschaftet, wie der Turm jetzt im Park stehe, werde er der ehemals hohen Bedeutung des Ensembles, zu dem auch die Stadthalle und das Pferdetor gehören, keineswegs gerecht.

Das sehen die Linken im Rat unbedingt genauso. Sie allerdings bringen in einem Ergänzungsantrag zur Initiative der Grünen das Café wieder mit ins Spiel und argumentieren: "Wer ernsthaft eine wirkliche Belebung des traditionellen Aussichtsturmes will, wird niemals an einer Wiederinbetriebnahme des Turm-Cafés vorbeikommen!" (Auszug aus der schriftlichen Antragsbegründung.)

Trümper machte im Rat ziemlich dicke Backen zum erneuten Vorstoß in Richtig Café: "Wir haben das untersucht und eine Ausschreibung gemacht. Wir haben keinen Interessenten für den Cafébetrieb gefunden. Der Umbau für eine halbe Million Euro ist das eine. Aber mit 16 Plätzen ist schon die Finanzierung des nötigen Personals schwierig." Trümpers Prognose: "Es wird dafür keine Lösung geben."

Der Stadtrat in Gänze, der das Anliegen zur Aufwertung des teuer sanierten Turms durchaus teilt, verwies die Anträge auf Antrag der CDU zunächst zur weiteren Debatte in die Fachausschüsse. Das jahrealte Dilemma mit dem schwer zu bewirtschaftenden Prunkstück im Park wird folglich zu den ersten Themen gehören, mit denen sich ab Juli der neu gewählte Stadtrat befassen darf.