Magdeburg l Die längste Baustelle der Stadt sei Olvenstedt, sagt Oliver Hornemann, Vorstand der Wohnungsbaugenossenschaft Otto von Guericke. "Doch aktuell haben wir wieder eine große Nachfrage nach Wohnraum im Stadtteil. Und das nicht, weil es die Interessenten dort so schrecklich finden", sagt Hornemann. Das sei Verdienst eines mühsamen und sensiblen Prozesses mit dem Ziel, ungenutzten Wohnraum zu reduzieren. Seit 2008 ist jeder Abriss und Rückbau in der Quartiersvereinbarung festgeschrieben. Die Änderungen in der Fortschreibung des Vertrages zwischen Stadt und Wohnungsunternehmen haben Stephan Westermann, Stadt- und Landschaftsplaner, und der Baubeigeordnete Dieter Scheidemann am Dienstagabend den Bürgern präsentiert.

"Schwammiger" Schutz für Kunst im öffentlichen Raum

Grundlegend neu ist der von 1400 auf 900 Wohnungen reduzierte "Beobachtungsfonds". Dieser beschreibt die Anzahl der für 2015 als leerstehend prognostizierten Wohnungen.

Auch der Umgang mit Kunst im öffentlichen Raum ist jetzt "schwammig", Zitat Stephan Westermann, geregelt. In Paragraf drei heißt es: "Die Vertragspartner bemühen sich um einen respektvollen Umgang mit der im Stadtteil befindlichen Kunst im öffentlichen Raum. Durch den Stadtumbau gefährdete Kunstwerke sollen nach Möglichkeit am Ort belassen oder umgesetzt werden."

Alle weiteren Neuerungen betreffen abgeschlossene Arbeiten - im neuen Vertrag gestrichen - und bestehende Vorhaben - Änderung des Umsetzungszeitraums oder der Nachnutzung. So plant die Wobau den Abriss des Bruno-Taut-Rings 89-95 beispielsweise bis 2016 statt bis 2015. Der Bruno-Beye-Ring 3 soll bis 2015 komplett saniert werden.

Eine neue Nutzung ist zum Beispiel für den Olvenstedter Scheid 99 a-c vorgesehen. Anstelle eines Wohnumfeldes sollen dort nun Wohn- und Gewerberäume entstehen.

900 leere Wohnungen für 2015 prognostiziert

In der Summe werden bis 2015 bei fortgesetzter Vereinbarung 611 Wohnungen abgerissen, 172 zurückgebaut und 310 modernisiert worden sein. "Damit ergibt sich ein Bestand von 5918 Wohnungen", sagt der Stadtplaner. "900 mehr als nach Beobachtungsfonds gebraucht werden."

Der Olvenstedter Heinz Sonntag fragt nach der Präsentation, warum keine Bürger bei den Lenkungsrunden anwesend sein können: "Warum werden wir immer erst hinterher informiert?" Dieter Scheidemann dazu: "Die Wohnungsunternehmen sitzen in den Runden zusammen und vernichten ihr Eigentum." Das sei ein sensibler und problematischer Schritt, der dennoch sehr fair ablaufe. "Hätten wir das nicht so geregelt, hätten wir in Neu-Olvenstedt jetzt eine Trümmersituation." Dennoch wolle er überlegen, wie man es in Zukunft "gescheiter" machen könnte.

Um einiges direkter sagt Frank Rückriem aus dem Vorstand der Wohnungsbaugenossenschaft Magdeburg-Stadtfeld: "Die Entscheidung, was mit dem Wohnraum passiert, haben die Mieter schon Jahre vor uns getroffen, indem sie ausgezogen sind."

Die problematische Entwicklung des Stadtteils wird aufgefangen, so Scheidemann. Er sagt: "Wir sind auf dem Weg dahin, dass Neu-Olvenstedt lebens- und liebenswerter Stadtteil bleibt."

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