Magdeburg l Direkt unter dem Schlussstein des Torbogens setzt Matthias Kromer den Hammer an und klopft vorsichtig das erste Stück der Mauer heraus. Markus Müller passt auf, dass der Schutt in der Schubkarre landet. Mit dem "Mauerfall" im Kreuzgang machten die beiden Bauarbeiter gestern den Weg für die erste öffentliche Besuchertoilette im Magdeburger Dom frei.

Bislang mussten die Touristen für ihre Notdurft auf umliegende Lokale oder andere Einrichtungen ausweichen, in allergrößter Not stand auch die Küstertoilette, selbst nicht in allerbestem Zustand, zur Verfügung. Von Großveranstaltungen wie Konzerten oder Gottesdiensten ganz zu schweigen.

Kein Wunder also, dass der Durchbruch reichlich Zuschauer aus dem inneren Kreis des Doms hatte. Die Architekten Carsten und Lilli Sußmann, der Vorsitzende des Domfördervereins, Stephen Gerhard Stehli, und Ralf Lindemann, Baudirektor der Stiftung Dome und Klöster Sachsen-Anhalt, schauen u.a. dabei zu.

Der Torbogen sei, auch wenn er so anmute und es bislang angenommen wurde, nicht romanischen Ursprungs, erklärt Ralf Lindemann, sondern eher jüngeren Datums. Ende des 19. Jahrhunderts wurde er vermutlich angelegt, um einen Zugang zur gerade geschaffenen Küsterwohnung zu haben. Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs sei der Durchgang dann zugemauert worden, ergänzt Carsten Sußmann. In dem Nebenbereich hinter den Mauern des Kreuzgangs zog damals die Kirchenverwaltung ein. Durch die wieder freigelegte Öffnung sollen künftig Erleichterung suchende Touristen zu einer Treppe bzw. einem Aufzug gelangen.

Die neue Toilettenanlage wird im Keller untergebracht sein. Dort waren zuvor Lagerräume. "Ausreichend" Plätze wird es dort geben. Eine genaue Bemessungsgrundlage, wie viele Örtchen gebraucht werden, gebe es bei einem Bauwerk wie dem Dom nicht, erklärt Carsten Sußmann: "Das kann man einfach nicht sagen." Bei Orgelkonzerten wären die Zahlen ganz andere als bei den normalen Besuchertagen.

Bis Ende August sollen die Arbeiten aber nach gut drei Jahren Bauzeit in jedem Fall beendet sein. Die Arbeit der Archäologen und Gründungsprobleme hätten die Arbeiten immer wieder verlängert.

Im September soll das Dom-WC dann aber nach über 800 Jahren toilettenloser Zeit seinen Betrieb aufnehmen. "Es wird dann wohl das meist besuchte Touristenörtchen der Stadt werden", ist sich Ralf Lindemann sicher. Schließlich würden täglich mehrere Busse vor dem Dom halten.

Bei den Arbeiten war u.a. eine Reliefplatte gefunden worden, die in einem Rahmen die Kreuzigung Christi, am Kreuzesbalken Mond und Sterne, Engel mit den Leidenswerkzeugen, Frauen und Männer und die Reste einer Figur mit Rüstung zeigt. Bei näherer Untersuchung konnte sie der ehemaligen St.-Jacobi-Kirche zugeordnet werden. Die ursprünglich am nördlichen Ende der Jakobstraße stehende Kirche wurde im Zweiten Weltkrieg schwer zerstört und 1959 schließlich gesprengt. Das Relief gehört damit der Altstadtgemeinde, die es bislang aber noch nicht beansprucht hat. "Ich könnte es mir sehr gut in der Wallonerkirche vorstellen", sagte Stephen-Gerhard Stehli.