Magdeburg l Mit Sternfahrten ab 10 Uhr aus mehreren Stadtteilen, einer gemeinsamen und in diesem Jahr kürzeren Route ab 11 Uhr von der Sternbrücke in den Norden der Stadt und einem Familienfest in der Straße Am Alten Theater zwischen Otto-von-Guericke-Straße und Erdachse auf dem Willy-Brandt-Platz samt Fahrrad-Flohmarkt im Innenhof verspricht der vierte Fahrradaktionstag ein vielfältiges Programm. Allerdings könnte es gut passieren, dass dieses Mal vier Tische freibleiben. Und zwar mit den Aufschriften, dass hier das eine oder andere Amt der Stadt stehen könnte.

Was ist geschehen? Die Stadtverwaltung bringt sich aktiv in den touristisch orientierten Elberadeltag ein. Die anfängliche Zusammenarbeit zum Aktionstag, der zumindest bezüglich der Sternfahrt und der gemeinsamen Runde durch die Innenstadt durchaus als Demonstration für bessere Bedingungen für Radfahrer zu verstehen ist, ist spätestens seit dem vergangenen Jahr teilweise zum Erliegen gekommen. Zwar unterstützt die Stadt den Tag zum Beispiel durch eine gute Zusammenarbeit der Feuerwehr mit den Organisatoren und dadurch, dass das Tiefbauamt für diesen Tag den Parkplatz zwischen Volksstimme und Hasselbachstraße bis 19.30 Uhr für Fahrräder reserviert, die übrigens dort abgestellt und nicht auf das Festgelände mitgenommen werden müssen.

Doch mit eigenen Angeboten hält sich die Verwaltung zurück. Als gutes Signal wertet gestern Aktionstag-Organisator Jürgen Canehl die Zusage aus dem Gesundheitsamt, dass dessen Amtsleiter an einer Podiumsdiskussion mit Vertretern von Krankenkassen und dem Schirmherrn, Sozialminister und Stadtrat Norbert Bischoff, teilnehmen werde. Das Motto zum Fahrradaktionstag lautet immerhin "Der Gesundheit zuliebe - Fahr Rad!"

Dass die Zusammenarbeit zwischen Stadt und ADFC funktionieren kann, beweisen indes die sogenannten Trixispiegel. Dank einer Spendensammlung des ADFC konnte eine Reihe dieser Spiegel gegen den toten Winkel an Kreuzungen aufgestellt werden, und Oberbürgermeister Lutz Trümper hatte dazu sogar die Schirmherrschaft übernommen. Am Rande der ersten Montage eines Trixispiegels hatte das Stadtoberhaupt diesbezüglich zwar wissen lassen, dass er auf eine Zusammenarbeit auch in Sachen Fahrradaktionstag hoffe. Aber eben auch, dass der Magdeburger Ring so etwas wie eine rote Linie ist: Gerade der werde nämlich auch künftig keine Radfahrstrecke werden, und dessen Befahrung sei deshalb das falsche Signal. Aktuell beruft sich die Verwaltung auf die Beschlusslage im Stadtrat, der nämlich in den Haushaltsberatungen am 9. Dezember den Wunsch der Grünen auf Unterstützung von Fahrradaktionstag und Familienfest abgelehnt hatte. Stadtsprecher Michael Reif verweist auf eine Verwaltungsinformation für den Stadtrat, in der es heißt: "So ist insbesondere die Befahrung des Magdeburger Ringes keine Aktion, die von der Stadt unterstützt wird, und auch die Auffassungen des ADFC zu den Leistungen der Stadt im Verkehrsbereich sind nicht deckungsgleich."

Dabei ist die Position der Oberbürgermeister-Partei, der Sozialdemokraten, durchaus vielschichtig. Das beweist ein Blick ins Faltblatt zum Aktionstag: Ebenso wie Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen ist die SPD mit einer Anzeige und per Schirmherrn-Grußwort von Norbert Bischoff vertreten. Im Gegensatz zu den anderen Parteien und Organisationen taucht sie in der Unterstützerliste allein in Form des Bundestagsabgeordneten Burkhard Lischka und des Ortsvereins Biederitz/Gerwisch auf.

Als Beispiel, wie der Radverkehr ohne großen Aufwand gefördert werden könne, nannte Jürgen Canehl die Einrichtung einer Radspur in der Jakobstraße. Wie Paula Grobbecker vom Grünen-Stadtverband sagte, käme dies der Fahrrad-Vielfahrer-Gruppe der Studenten und damit dem Image Magdeburg als Universitätsstadt sehr entgegen.

Weitere Informationen zum Programm kommende Woche in Ihrer Volksstimme und unter www.adfc-magdeburg.de und www.facebook.com/FAT.MD im Internet.