Magdeburg l In Magdeburg ist es bei der Abschiebung eines armenischen Mannes zu einem dramatischen Zwischenfall gekommen. Die Mutter des Armeniers übergoss sich laut Polizei mit dem Reiniger Chlorex, als ihr Sohn von der Polizei zum Flughafen nach Berlin gebracht werden sollte. Außerdem sollen Familienangehörige die Einsatzkräfte laut Polizei getreten und mit einem Messer bedroht haben.

Mutter und Sohn befinden sich derzeit zur Beobachtung im Krankenhaus. Der Sohn soll einen Schock erlitten haben. Die Mutter sei suizidgefährdet, sagen Angehörige. Ein Psychologe soll hinzugezogen werden. Entgegen anderer Mitteilungen schwebt die Frau nicht in Lebensgefahr. Der Sohn soll noch am Freitagabend entlassen werden.

Die Abschiebung wurde laut Ausländerbehörde abgebrochen. Unklar ist, ob die Frau das Chlorex auch geschluckt hat. Angehörige berichten, dass die Frau innere Verletzungen habe, derzeit dürfe sie keine Nahrung zu sich nehmen. Die Polizei kann das nicht bestätigen.

Nach Informationen der Volksstimme soll der Mann 2009 nach Deutschland eingereist sein. Zuerst soll er angegeben haben, aus dem Irak zu kommen.

Wie das Innenministerium in einer Mitteilung betont, habe es von der Abschiebung nichts gewusst. Allerdings kam der Termin für die Abschiebung laut Ausländerbehörde von der zentralen Abschiebestelle des Landes Sachsen-Anhalt in Halberstadt. Hier steht also Aussage gegen Aussage.

Während über den Fall des armenischen Mannes, der nach Angaben der Angehörigen der jesidischen Minderheit angehört, diskutiert wird, soll es am heutigen Freitag nach unbestätigten Informationen noch eine weitere Abschiebung gegeben haben. In Magdeburg leben derzeit 569 "geduldete" Personen, 18 davon sollen laut Ausländerbehörde demnächst abgeschoben werden.