Magdeburg l Die Nachricht traf die Mieter im Rennebogen am Mittwoch per Aushang an der Haustür. Auf dem Informationsschreiben wird die Überschreitung des Grenzwertes für die Legionellenbelastung mitgeteilt und ein sofortiges Dusch- und Badeverbot ausgesprochen. Wörtlich heißt es: "Bitte verzichten Sie auf das Duschen und Baden, um die Bildung der lungengängigen Aerosole zu vermeiden, bis wir Sie über die Unbedenklichkeit des Wassers informieren." Angekündigt wird vom Vermieter Vitus GmbH auch der Einbau von Legionellen-Filtern in die Duschschläuche, damit das Duschverbot wieder aufgehoben werden kann. Normales Waschen sei ohnehin jederzeit und bedenkenlos möglich. Das gelte in der Regel auch für den Verzehr des Wassers. Wer sicher gehen wolle, solle abkochen.

Mieter stellen Vermieter am Morgen zur Rede

Nach Auskunft des Gesundheitsamtes sind Legionellen Bakterien, die sich in Leitungssystemen mit längeren Verweilzeiten des Wassers bilden und über Einatmen von zerstäubtem Wasser in den Körper gelangen. Dort können sie schwere Lungenentzündungen auslösen.

Entsprechend groß ist die Unsicherheit vor allem unter den 274 Mietern mit Duschverbot im Rennebogen, aber auch den anderen Betroffenen im Gneisenauring und an der Olvenstedter Chaussee. "Wir fühlen uns verschaukelt. Da klebt man einfach so einen Zettel an die Tür und ist für uns nicht mehr zu sprechen", sagte beispielsweise Leila Melzer. Sie ist eine der betroffenen Mieterinnen im Rennebogen und sieht sich von ihrem Vermieter Vitus GmbH nicht ausreichend informiert. Mittwoch und Donnerstag sei niemand zu sprechen gewesen. Deshalb trommelte sie gestern betroffene Nachbarn zusammen, um die Mitarbeiter im Vermieterbüro zur Rede zu stellen. Das gelingt. Schnell wird aus einer emotionsgeladenen Debatte ein sachliches Gespräch, in dem viele Unklarheiten ausgeräumt werden können. Objektverwalter Hartmut Waack erklärt: "Wir handeln in vier Schritten. Erstens Duschverbot. Zweitens Einbau von Filtern in die Schläuche und Aufhebung des Duschverbots. Drittens: Spülung der Wasserleitung mit mindestens 60 Grad heißem Wasser zur Abtötung der Legionellen. Viertens: Technischer Umbau, um Legionellen künftig grundsätzlich zu verhindern."

Die Maßnahmen gehen auf Auflagen des Magdeburger Gesundheitsamtes zurück, das sich in der Sache eingeschaltet hat. Amtsleiter Dr. Eike Hennig bestätigt: "Die Legionellen-Belastung des Trinkwassers ist der bisher schwerste Fall in Magdeburg. Das gilt sowohl für die Überschreitung des Grenzwertes als auch für die Zahl der betroffenen Wohnungen." Im Rennebogen war in einigen Wohnungen ein Wert von 40000 kbe/ml gemessen worden. Zulässig sind maximal 100 kbe/ml. Andere Wohnungen wiederum waren legionellenfrei. Weil die Leitungen miteinander verbunden sind, gilt die Warnung für alle Wohnungen.

Hochhaus in der Innenstadt auch schon betroffen

Der Legionellenbefall von Trinkwasser ist in der Stadt keine Einzelerscheinung. In diesem Jahr gab es schon einmal ein Duschverbot in einem 16-Geschosser an der Festung Mark an der Gustav-Adolf-Straße. Zudem wurden dem Gesundheitsamt 25 Überschreitungen des Grenzwertes gemeldet, in deren Folge ebenfalls Schutzmaßnahmen ergriffen werden mussten. Daraus abzuleiten, dass der Legionellenbefall zugenommen hat, ist aber nur eine Spekulation. Erst seit 2011 müssen größere Vermieter alle drei Jahre das Trinkwasser auf Legionellen untersuchen lassen und Grenzwertüberschreitungen dem Gesundheitsamt anzeigen. Gut möglich also, dass die Bakterien schon vorher ein Problem waren - nur hat es keiner gemerkt. Unabhängig davon habe es zumindest 2014 in Magdeburg keinen Fall der von den Legionellen ausgelösten meldepflichtigen "Legionärskrankheit" gegeben, so das Gesundheitsamt. Da aber Legionellen-Infektionen auch als Erkältungskrankheiten der Atemwege glimpflicher verlaufen können, ist nicht ausgeschlossen, dass manche Legionellen-Infektion nicht als solche erkannt wurde.