Magdeburg l Am Internationalen Tag der Flüchtlinge ist es am Freitag in Magdeburg bei einer geplanten Abschiebung zu einem dramatischen Zwischenfall gekommen. Inzwischen beschäftigt der Fall das Innenministerium. Die Aufklärung dürfte schwierig werden, denn einige Aussagen gehen weit auseinander.

Was ist passiert? Die Mutter des Armeniers übergoss sich laut Polizei mit dem Reiniger Chlorex, als ihr Sohn gestern Mittag abgeschoben und von der Polizei zum Flughafen nach Berlin gebracht werden sollte. Die Abschiebung wurde daraufhin abgebrochen.

Die Magdeburger Ausländerbehörde hatte die Polizei bereits vor einem Monat um Amtshilfe gebeten. Gestern war der Termin für die Abschiebung. Der Armenier, der nach Aussagen von Angehörigen der jesidischen Minderheit angehört, wurde zur Ausländerbehörde bestellt. Dort wartete die Polizei. Die Beamten brachten den Mann zunächst noch in seine Wohnung an der Johannes-R.-Becher-Straße, weil er dort persönliche Gegenstände abholen wollte. Dort kam es allerdings zum Tumult.

Erst soll die Mutter des Armeniers Chlorreiniger auf die Beamten geschüttet haben, bevor sie sich selbst mit dem Reinigungsmittel übergoss. Die Polizei brach daraufhin die Aktion ab. Auf Russisch soll der Familie erklärt worden sein, dass es vorerst nicht zu einer Abschiebung komme und medizinische Hilfe unterwegs sei.

Beim Eintreffen der Sanitäter eskalierte die Situation. Laut Polizei wurden die Einsatzkräfte mit einem Messer bedroht. Angehörige verneinen das. "Erst nach Fesselung einer Schwester und erneutem Ansprechen der Personen auf Russisch gelang es, die Situation zu beruhigen", heißt es in einer Polizei-Mitteilung. Der Armenier und seine Mutter wurden zur Beobachtung ins Krankenhaus gebracht. Der Sohn soll einen Schock erlitten haben. Unklar ist, ob die Frau das Reinigungsmittel auch geschluckt hat. Angehörige berichten, dass sie innere Verletzungen habe. Die Sanitäter konnten das nicht bestätigen.

Nach Informationen der Volksstimme soll der Mann 2009 nach Deutschland eingereist sein. Zuerst habe er angegeben, aus dem Irak zu kommen.

Wie das Innenministerium noch am Abend in einer Mitteilung betonte, habe es von der Abschiebung nichts gewusst. Allerdings kam der Termin für die Abschiebung laut Ausländerbehörde von der zentralen Abschiebestelle des Landes Sachsen-Anhalt in Halberstadt.

Unterdessen soll es am Freitag nach unbestätigten Informationen noch eine weitere Abschiebung gegeben haben. In der Landeshauptstadt leben derzeit 569 "geduldete" Personen. 18 davon sollen laut Ausländerbehörde demnächst abgeschoben werden.