Magdeburg l Blumenpflücken sei ausdrücklich erwünscht, sobald die Sanierungsarbeiten an der elbnahen ehemaligen "Kohleladestraße" im Magdeburger Stadtteil abgeschlossen sind. "Wir wollen dort eine Freifläche zum Verweilen schaffen, die von allen genutzt werden kann", sagt Ursula Klein. Die Bauingenieurin des Sanierungsträgers BauBeCon erzählt: "Die Straße zwischen Sülzeberg und An der Buckauer Fähre stammt aus einer Zeit, in der dort Kohle von der Bahn auf die Straße umgeladen wurde." Heute habe sie keine Funktion mehr. Im Zuge der Stadtteilsanierung sollen der Weg und die angrenzende Wiese deshalb zur Freifläche für Pflanzen, Tiere und Menschen werden.

Um den Straßencharakter aufzubrechen, soll das vorhandene Natursteinpflaster aufgenommen werden. "Laut Vorentwurf des Magdeburger Planungsbüros werden die Steine an mehreren Stellen des entstehenden Platzes wiederverwendet", sagt Klein. Beispielsweise sollen der Trampelpfad zwischen Sülzeberg und Geh- und Radweg sowie der Zugang zu einem Picknickplatz mit den Steinen befestigt werden. "Jedoch großfugig verlegt, damit Gras dazwischen wachsen kann", sagt die Sanierungs-Expertin. "Das soll kein durchgestylter Platz werden, sondern ein der Elbaue nachempfundener Ort der Naturerfahrung, eine Fläche zum Verweilen."

Trachtenpflanzen und Kräuterblumen

Damit auch Kleintiere, Vögel und Insekten sich dort wohlfühlen, orientiert sich die Bepflanzung an ihrem Speiseplan. "Sogenannte Trachtenpflanzen beispielsweise ziehen wegen ihres vielen Nektars Bienen an", sagt Klein. Vorgesehen sind unterhalb der Bebauung kleinwüchsige Kornelkirschen, Weiden, Schlehen, Felsenbirnen und Stinkeschen. "Dazwischen sollen niedrigwachsende Sträucher gepflanzt werden, als Lebensraum für Kleintiere und Vögel." Geplant sind laut Vorentwurf Haselnuss, Wildrose, Holunder, Efeu, Brombeere und Hartriegel.

Die Fläche zum Geh- und Radweg hin soll blühen. "Als Lebensraum für Insekten ist eine Kräuterblumenwiese angedacht", sagt Klein. Die komme auch dem Eigenbetrieb Stadtgarten und Friedhöfe zugute, der später die Pflege der Fläche übernimmt. "Die Wiese darf ruhig hoch wachsen. Nur zweimal jährlich sollte sie gemäht werden." Durch Eigenaussaat regeneriert sich eine solche Kräuterblumenwiese selbst. Lediglich der Randstreifen zum Radweg hin müsse intensiver gepflegt werden.

Bürger wünschen sich Bänke und Papierkörbe

Inmitten der Natur sollen Sitzplätze zum Beobachten einladen. "Als Liegeplatz dient eine leicht erhöhte Rasenfläche mit Benjeshecken-Einfassung", erzählt Klein. Solche Hecken aus dünnem Gehölzschnitt bieten gleichzeitig Vögeln Schutz und Nahrung. Trocken verlegte und mit Sand verfüllte Natursteinhaufen sind beispielsweise Nagetieren Unterschlupf. "Sitzsteine auf dem Picknickplatz fügen sich gut in das naturnahe Bild ein."

Den Wunsch nach Bänken mit angeschlossenen Papierkörben haben Anwohner des Stadtteils geäußert, als die Planer ihnen die Vorentwürfe präsentiert haben. "Wir suchen nach Möglichkeiten, das unterzubringen", sagt Andrea Hartkopf vom Stadtplanungsamt. "Eventuell können vorhandene Bänke aus dem Sanierungsgebiet umgesetzt werden."

Baubeginn spätestens Ende dieses Jahres

Sobald Entwurf und Ablauf der Sanierungsarbeiten klar sind, sollen die Bürger wieder informiert werden. "Voraussichtlich im September, spätestens zum Jahresende soll die Umgestaltung beginnen", sagt Ursula Klein.

Mit den Arbeiten an der "Ladestraße" wird die letzte Freiflächengestaltung im Rahmen des Sanierungsplans für Buckau abgeschlossen. 1991 wurde das Sanierungsgebiet in das Städtebauförderprogramm des Landes Sachsen-Anhalt aufgenommen. Seitdem werden Straßen und öffentliche Plätze des 84 Hektar umfassenden Fördergebietes umgebaut. Mit dem Ziel, das Wohnumfeld lebenswerter zu gestalten, die vorhandene Bebauung zu erhalten und die Verkehrsverhältnisse zu ordnen.

Mit der "Grünen Mitte" beispielsweise wurde ein sich durch den Stadtteil ziehendes Band von begrünten Freiflächen geschaffen. "Buckau ist industriell gewachsen", sagt Andrea Stolle, Projektleiterin des Sanierungsgebietes bei der BauBeCon. "Da brauchte es viel Mühe und finanzielle Mittel, um den Stadtteil so lebenswert zu gestalten, wie er heute bereits ist."

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