Magdeburg l Zugriff Mittwochmittag auf dem Gelände der alten Zuckerfabrik an der Halberstädter Straße. Dutzende Polizeifahrzeuge sind vorgefahren. Vermummte Polizisten stürmen in ein altes Lager und durchkämmen jeden Winkel.

Die Aktion leitet die Gemeinsame Ermittlungsgruppe Rauschgift (GER) des Landeskriminalamtes Sachsen-Anhalt und des Zollfahndungsamtes Hannover. Auch Landesbereitschaftspolizei, das Ordnungsamt, Steuerfahndung und Zollamt Magdeburg krempeln den Asia-Großmarkt im Süden der Stadt mit um. Insgesamt haben rund 180 Beamte das alte Fabrikgelände in Beschlag genommen. Am Ende werden die Ermittler von einem "empfindlichen Schlag" gegen die Drogenkriminalität sprechen.

Drogen im Müllsäcken

Der Stoff, nach dem sie an der alten Zuckerfabrik suchen, ist für die Händler auf der Straße Zehntausende Euro wert und ist in einem Lager in blauen Müllsäcken versteckt: 10 bis 15 Kilogramm, schätzt ein Ermittler, sind darin. Bei Preisen von 7 bis 9 Euro pro Gramm, zu denen das Marihuana an die Konsumenten verkauft wird, summiert sich der Straßenverkaufswert auf 70 000 bis 90 000 Euro. Der Wert für den "Großhändler" wird auf 40 000 Euro geschätzt. Auf die Spur des Marihuanas in der alten Zuckerfabrik kamen Ermittler vor zwei Wochen. Damals gab es bereits Razzien in Magdeburg, Schönebeck, Wolmirstedt, Tangerhütte - und Wolmirsleben. In dem Bördedorf hoben Beamte am 11. Juni eine Indoorplantage mit 3200 Cannabispflanzen aus, stellten außerdem viereinhalb Kilo Marihuana sicher. Sechs Vietnamesen wurden festgenommen und sitzen seither in Untersuchungshaft.

Spur führt zur Zuckerfabrik

Ermittler schätzten den Verkaufswert der in Wolmirsleben gefundenen Pflanzen auf rund eine Million Euro. Auffällig: Ein Teil der Pflanzen war bereits abgeerntet worden. "Bei den weiteren Ermittlungen ergaben sich Hinweise, dass bereits geerntetes Cannabis in Gebäuden des Asia-Großmarktes in Magdeburg versteckt wurde", sagte Andreas von Koß, Sprecher des Landeskriminalamtes.

Die Razzia in Sudenburg ist der vorläufige Höhepunkt eines seit etwa einem Jahr laufenden Ermittlungsverfahrens der Staatsanwaltschaft Stendal wegen Handelns mit Betäubungsmitteln. Im Zentrum sollen nach Volksstimme-Informationen mehrere vietnamesische Familien stehen.

Die Razzia im Großmarkt werten die Ermittler als Erfolg: "Das ist ein empfindlicher Schlag gegen die Betäubungsmittelkriminalität", sagte LKA-Sprecher Andreas von Koß der Volksstimme. Mit den Funden von Wolmirsleben und Magdeburg habe man so viel Betäubungsmittel sichergestellt wie im gesamten Jahr 2011. Vier vorläufige Festnahmen gibt es im Großmarkt auch. Allerdings handelt es sich dabei laut LKA um vier Personen, die sich illegal in Deutschland aufhalten.

 

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