Ernst Jennrich beteiligte sich 1953 am Volksaufstand und wurde zum Tode verurteilt. Vorwurf: Er soll einen Polizisten erschossen haben. Bis heute lässt seinen Sohn der Tod des Vaters nicht los.

Nordwest l "Dass es in Nordwest Menschen gibt, die meines Vaters gedenken, berührt mich sehr. Dafür bin ich allen sehr dankbar", sagt Ernst Jennrich beim Besuch des Mahnmals, das vom CDU-Ortsverband Nordwest gepflegt wird. Auf Initiative von Bewohnern des Stadtteils, in dem einst Ernst Jennrich mit seiner Frau und vier Söhnen am Rembrandtweg wohnte, ist der Stein am ehemaligen Wohnhaus aufgestellt worden. "Aus heutiger Sicht kann Ernst Jennrich die Tat nicht begangen haben, die ihm vorgeworfen wurde", so Rolf Weske vom Ortsverband.

Jennrich (Jahrgang 1911) beteiligte sich am 17. Juni 1953 in Magdeburg am Volksaufstand. Einen Tag später wurde er wegen Mordes an einem Volkspolizisten angeklagt. Zu Unrecht, wie sich herausstellte. "Zur Tatzeit um 11 Uhr befand sich mein Vater noch in Neustadt, was von Zeugen bestätigt wurde. Er konnte den Polizisten an der Halberstädter Straße nicht erschossen haben. Dies half ihm aber nichts", so sein Sohn. Und: "Ich kann mich noch gut erinnern, wie mein Vater in der Wohnung abgeführt wurde und er sich von uns Kindern verabschiedet hat und sagte, dass er morgen wieder da sei."

Im Oktober 1953 wurde Ernst Jennrich auf Weisung des Obersten Gerichts der DDR zum Tode verurteilt, das Urteil am 20. März 1954 in Dresden vollstreckt. Bis zuletzt beteuerte der Arbeiter seine Unschuld. "Dies tat er auch in einem Abschiedsbrief, der Jahre lang nicht auffindbar war und den ich nun erhalten habe", sagt der 73-Jährige. Bis heute ist nicht klar, wer der wahre Täter ist. Jennrich: "Der Tod meines Vaters lässt mich nicht los."

Wobau-Chef Heinrich Sonsalla stiftete den Gedenkstein, Landtagsabgeordneter Dieter Steinecke die Gedenktafel und Edith Friese aus Nordwest versorgt den Gedenkstein regelmäßig mit frischen Blumengestecken.