Magdeburg l Helmut Keller (66) gibt nun nicht mehr den "Ton" im Georg-Philipp-Telemann-Konservatorium an. Der Direktor des Hauses ist gestern im Rahmen einer Feierstunde in den Ruhestand verabschiedet worden. Nunmehr 18 Jahre lang hat er die Geschicke des Konservatoriums hingebungsvoll geleitet und es zu einem der renommiertesten der Bundesrepublik gemacht. Er habe große Verdienste beim Ausbau des Konservatoriums, darunter bei der Erarbeitung von pädagogischen Konzepten, der Begabtenförderung und der Gestaltung des modernen Neubaus für die inzwischen 2600 Schüler und 110 Mitarbeiter gehabt, so die Laudatoren.

So ist es nicht verwunderlich, dass unzählige Mitarbeiter, Freunde und Weggefährten ihm gestern die Ehre erwiesen. In Grußworten von Bürgermeister und Kulturbeigeordnetem Rüdiger Koch, dem Geschäftsführer des Landesverbandes der Musikschulen, Christian Reineke, dem Vorsitzenden des Personalrates des Konservatoriums, Bernhard Schneyer, dem Vorsitzenden des Fördervereins, Christian Heimann, dem Elternratvertreter Bernd Musil und Kerstin Hansen vom Tonkünstlerverband Magdeburg sind seine Verdienste um die Einrichtung und die Kulturlandschaft der Stadt gewürdigt worden.

Keller selbst zeigte sich gerührt angesichts des Ruhmes, der gestern über ihn ergossen wurde. "Ich bin schon ein wenig stolz", sagt er. Dass das Konservatorium für das Gebäude bundesweit bewundert wird, dass die Lehrkräfte alle tariflich angestellt sind und dass im Haus erstklassige Musiker wie bspw. Zsolt-Tihamer Visontay, der inzwischen Konzertmeister im London Philharmonic Orchestra ist, hervorgebracht wurden, habe sehr viel Arbeit gekostet. "Oft hat er diese mit nach Hause gebracht", verriet Ehefrau Angelika. Freizeit blieb wenig. "Es wird eine Umstellung sein, plötzlich Zeit zur freien Verfügung zu haben", vermutet Helmut Keller. "Ich werde eine Weile brauchen, den Kopf frei zu kriegen."

Pläne für seinen (Un-)Ruhestand habe er allerdings schon eine Menge. "Ich möchte in die Berge - möchte wieder wandern", so der gebürtige Österreicher. Die Elbestadt dauerhaft verlassen wolle er zwar nicht, dafür aber häufiger auf Reisen gehen.

Außerdem möchte er endlich wieder Zeit finden, seine Instrumente erklingen zu lassen. Insbesondere die Oboe, der er in den vergangenen Jahren wenig Aufmerksamkeit widmete. Ihn zu Hause wieder Klavier spielen zu hören, darauf freut sich seine Frau. Während Helmut Keller, der im Januar seinen 66. Geburtstag feierte, lernen muss, sich zurückzulehnen, wird Stephan Schuh die Leitung des Konservatoriums übernehmen. Der 53-Jährige, der seit 1996 in Ulm lebt und die dortige Musikschule leitete, aber, wie er laut Südwest Presse in einem Brief schrieb "nicht glücklich noch zufrieden" in Ulm gewesen sei, komme frohen Herzens nach Magdeburg.

Beim gestrigen Abschied Kellers konnte er jedoch nicht dabei sein, da er in Ulm ebenfalls verabschiedet wurde. Dafür waren zahlreiche andere Gäste im Magdeburger Konservatorium, darunter neben Oberbürgermeister Lutz Trümper und dem beinah vollständigen Magistrat u.a. auch der Bundesvorsitzende des Verbandes deutscher Musikschulen, Ulrich Rademacher, der Präsident des Landesmusikrates, Winfried Willems, der Geschäftsführer der Telemann-Gesellschaft, Carsten Lange, Schönebecks Generalmusikdirektor Christian Simonis, die Bundestagsabgeordnete Rosemarie Hein, Stadtmanager Georg Bandarau, Sparkassensprecher Mathias Geraldy, die Präsidentin des Lions Clubs Kaiser Otto I., Pia Heim, und die Geschäftsführerin der Magdeburger Zwickmühle, Ulrike Löhr.