Magdeburg l "Ist denn die Elbe immer noch dieselbe ..." fragt sich dieser Tage frei nach Magdeburgs Stadthymne nicht nur der Dom, sondern auch so mancher Magdeburger. Beim Blick von den Brücken fällt auf: Die Elbe ist - zumindest in diesen Tagen - eben nicht mehr dieselbe.

Gerade mal 89 Zentimeter zeigte der Pegel gestern Mittag am Petriförder an. Der Mittelwert liegt normalerweise bei 1,95 Meter. Vor gut einem Jahr stand der Pegel mit 7,48 Meter sogar 6,59 Meter über dem Wert von gestern. Kaum vorstellbar im Moment - und dennoch ist das wenige Wasser durchaus nicht ungewöhnlich.

Das bestätigt Hartmut Rhein vom Wasser- und Schifffahrtsamt Magdeburg: "Niedrigwasser um diese Zeit ist nichts Besonderes, allenfalls der etwas frühe Zeitpunkt." Er verweist darauf, dass der Pegel von den Regenfällen im Oberlauf der Elbe und der Schneeschmelze in den Gebirgen der Elbeinzugsgebiete abhängt. "Und da wir dieses Jahr nicht so viel Schnee und wenig Regen hatten, kommt hier auch weniger an", so Rhein. Die Folge sei verminderter Schiffsverkehr auf der Elbe.

Niedrigwasser macht den Domfelsen gefährlicher

Auch die gefährliche Engstelle am Domfelsen sei nun noch gefährlicher. Schon bei normalem Wasserstand werde die übliche Fahrrinnenbreite von 50 Metern an dieser Stelle um 20 Meter unterschritten. Mit jedem Zentimeter Wasser weniger werde die Fahrrinne dann noch schmaler, so Rhein.

Wenig Wasser bedeutet für die Weiße Flotte Mehrarbeit. "Auch wir leichtern die Schiffe", sagt Betriebsleiter Ralf Kurth. Die Passagiere müssten allerdings nicht auf die Waage, sondern es würden einfach weniger Fahrgäste aufs Schiff gelassen.

Solange der Pegel bei etwa 80 Zentimetern steht, dürfen aus Sicherheitsgründen nur so viele Passagiere an Bord wie Innenplätze zur Verfügung stehen. Bei den beiden Ausflugsschiffen "Magdeburg" und "Wolfsburg" sind das dann jeweils nur 85 Passagiere statt der 140 möglichen Mitfahrer. So mancher Fahrgast musste schon abgewiesen werden. "Für uns ist das Niedrigwasser deshalb auch ein wirtschaftlicher Nachteil", so Kurth.

Er hofft auf die nächsten Tage. Denn das gute Wetter lockt die Leute zu den Schiffen, für die allerdings ausreichend Wasser die Elbe herunterfließen muss. "Wir sehen eine leicht steigende Tendenz. Ab 90 Zentimetern können wir wieder normal fahren", so Kurth.

Ein paar Kilometer weiter elbabwärts sieht man die steigende Tendenz des Elbpegels nicht so gern. Offiziell sagt das keiner, aber klar ist: Niedrigwasser beschert dem Hafen höhere Umschlagzahlen. Schiffe aus Richtung Dresden können ab Magdeburg wieder mehr Fracht aufnehmen. Schiffe in der Gegenrichtung leichtern hier.

Das Hafengeschäft brummt also. Hafen-Geschäftsführer Karl-Heinz Erhardt hat so rund 5000 Tonnen Güter mehr umschlagen können als bei normalem Pegelstand.

Und noch eine Investition macht sich genau jetzt bezahlt: die Niedrigwasserschleuse. Sie schiebert mit einem riesigen Stahltor den Hafen vom niedrigen Wasserstand der Elbe ab. Über den Mittellandkanal und die Schleuse in Rothensee kann der Hafen deshalb wasserstandsunabhängig angesteuert werden. Ab einem Pegelstand mit fallender Tendenz von etwa 1,70 Meter Strombrücke wird das Bollwerk geschlossen. Bis auf ein paar Tage im Juni war das bisher durchgängig so.

Hoffnung auf 95 Zentimeter

Das 65 Millionen Euro teure Bauwerk war innerhalb von sieben Jahren gebaut worden. Die Schleuse gehört zum Verkehrsprojekt Deutsche Einheit 17, mit dem bis 2019 die Wasserstraße zwischen Berlin und dem Rhein für moderne Schiffe ausgebaut wird.

Damit würde dem Hafen selbst ein neues Jahrhundert-Niedrigwasser nichts ausmachen. Das letzte wurde am 22. Juli 1934 gemessen. Damals betrug der Wasserstand nur noch 43 Zentimeter. So tief wird die Elbe in den nächsten Tagen nicht sinken. Bis zum 3. Juli soll sich die Elbe bei 95 Zentimetern einpegeln.