Magdeburg l Von außen betrachtet handelt es sich um einen normalen Container, eine dieser genormten und unverwüstlichen "Übersee-Kisten", die zu Millionen um die Welt gefahren werden. Zwei Türen und mehrere Lüftungsschlitze verraten allerdings, dass im Inneren etwas passiert. Die "Box" steht im Wissenschaftshafen zwischen der Denkfabrik und den Fraunhofer-Institut und ist: eine riesige Batterie.

Damit steht in Magdeburg eines der größten deutschen Batteriesysteme. 0,5 Megawattstunden Strom kann das Speichersystem auf Lithium-Basis aufnehmen. Zum Vergleich: Eine Wattstunde (Wh) ist die Energie, die beispielsweise eine Glühbirne mit einer Leistung von einem Watt in einer Stunde verbrauchen würde. Eine Kilowattstunde ist das Tausendfache einer Wattstunde, eine Megawattstunde das Einmillionfache. Ein durchschnittlicher Staubsauger würde in einer Stunde etwa 2400 Watt verbrauchen, ein Computer etwa 200 Watt und ein Föhn rund 1400 Watt.

Netzschwankungen ausgleichen

Mit der "Batterie" des Fraunhofer-Instituts sollen aber keine Haushaltsgeräte versorgt werden, es geht um Größeres. Es geht darum, beispielsweise Windenergie zu speichern, wie Dr. Przemyslaw Komarnicki dazu erläutert. Er leitet das Forschungsprojekt bei Fraunhofer. Windenergie hat den Nachteil, dass sie mal sehr viel zur Verfügung steht, mal wieder gar nicht - je nach der Stärke des Windes. Im öffentlichen Stromnetz führt das zu extremen Spannungsschwankungen. "Mit unserem Energiespeichersystem könnte man diese Schwankungen dezentral auffangen", so Dr. Komarnicki.

Auch Unternehmen, die stark schwankende Energiebedarfe haben oder aber keine Stromschwankungen im Netz gebrauchen können, könnten mit diesem Speichersystem ein effektiveres Energiemanagement betreiben - und Geld und Strom sparen. Denkbar wären Anwendungen bei Verkehrsleitsystemen (Ampeln usw.) oder bei der Stromversorgung von großen Gebäudekomplexen. "Überall dort, wo große Schwankungen im Stromnetz auftreten, werden Speicherkapazitäten benötigt", so der Wissenschaftler. Diese Schwankungen abzufedern und damit moderne Energienetze zu schaffen, sei das Ziel des Batteriesystem-Projekts des Fraunhofer-Instituts.

"Durch das 0,5-Megawatt-Batteriesystem sind wir jetzt in der Lage, tatsächlich im großen Stil die praktische Anwendung zu erforschen. Bis dahin war alles eher Theorie, Grundlagenforschung", sagt Przemyslaw Komarnicki. Und an dieser Stelle erhellt sich auch der Grund, warum die Riesen-Batterie in einem Container untergebracht ist: "Wir können das System so überall hinfahren, wo es zum Einsatz kommen soll." Das werde den Forschungsstandort Magdeburg mit Sicherheit wieder ein Stück bekannter in der Fachwelt machen, ist sich Dr. Komarnicki sicher. Bis zum November sollen alle technischen Anschlussarbeiten abgeschlossen sein, dann werde es einen offiziellen Startlauf der Pilotanlage geben, so Dr. Komarnicki.

Dass die Mega-Batterie nach Magdeburg geholt werden konnte, ist einer Kooperation des Fraunhofer-Instituts mit dem südkoreanischen Unternehmen SK Innovation zu verdanken. "Wir wollen uns in Deutschland, und besonders hier in Sachsen-Anhalt, stärker im Bereich der Energiespeichersysteme engagieren. Darum ist uns diese Pilotanwendung sehr wichtig", erklärte Chanyul Lee, Vizepräsident von SK Innovation, anlässlich der Unterzeichnung des Kooperationsvertrages mit dem Magdeburger Fraunhofer-Institut.

SK Innovation ist ein Unternehmen der SK Group. Zu den Hauptgeschäftsfeldern von SK Innovation zählen Energie, Petrochemische Industrie, Erdöl und Erdgas sowie Informationselektronik. Im Jahr 2012 beschäftigte SK Innovation nach eigenen Angaben über 6000 Mitarbeiter und verzeichnete einen Umsatz von rund 50 Milliarden Euro.

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