Magdeburg l Mehr als 6000 Besucher hat das Lapidarium auf dem Kirchengelände St. Gertraud in knapp drei Jahren angezogen. "Aus aller Welt, wie Gästebucheinträge zeigen", sagt Thomas Rochow. Sein Verdienst ist es. Der Magdeburger hat die Steine der Sammlung gesichtet, ihren Herkunftsort bestimmt und die Zeit, aus der sie stammen. Und sein Wissen dazu seit 2011 in Führungen weitergegeben. Bis Montag. "Als Bürgerarbeiter war Thomas Rochow befristet beschäftigt", sagt Superintendent Stephan Hoenen. "Es ist bedauerlich, dass diese Form der gemeinnützigen Arbeit verloren geht, aber wir als Kirche können diese Arbeitsmaßnahme nicht weiter verlängern."

"Die Steine sind eine kulturgeschichtliche Quelle der Stadt." - Thomas Rochow

Derzeit bemühe sich die Kirchengemeinde um Möglichkeiten, das Lapidarium dennoch offen zu halten. Ehrenamtliche der Gemeinde würden den Besuch des Lapidariums am Wochenende ermöglichen, so Hoenen. Er sagt: "Darüber hinaus prüfen wir, was über den geförderten Arbeitsmarkt möglich ist."

Für Thomas Rochow hat die Arbeit mit den mineralischen Zeitzeugen 2009 begonnen. "Im Zuge der Sanierung der Kirche in Verbindung mit dem Plan, ein Lapidarium zu eröffnen, habe ich die Steine aus städtischen und staatlichen Depots erforscht", sagt er. Beispielsweise habe er mit einem Kreide-Wasser-Gemisch Schriften sichtbar gemacht. "Dafür wird die Lösung auf die Schrifttafel gegossen, so dass sich die Kreide in den Vertiefungen der Buchstaben absetzen kann", erklärt der 58-Jährige. Sichtbares hat er anschließend vom Lateinischen ins Deutsche übersetzt, um Rückschlüsse auf die Herkunft ziehen zu können.

Um den ursprünglichen Ort eines Gesteins bestätigen zu können, hat sich Rochow durch 4000 historische Fotos der Stadt gearbeitet. 17 Steine des Lapidariums habe er darauf wiedererkannt. Mittlerweile kennt er jeden und zu jedem eine kleine Geschichte. "Mit der Eröffnung der Sammlung war es für mich deshalb logisch hierzubleiben", sagt Rochow. Nur dort könne er sein gesammeltes Wissen weitergeben. Und seine Faszination für die Steine. "Sie sind eine kulturgeschichtliche Quelle der Stadt, anhand derer wir mehr als 1500 Jahre Geschichte erzählen können", sagt Rochow.

Als Sohn einer Kirchenmusikerin und eines Journalisten, erzählt Rochow, sei ihm das Interesse an Architektur, Kunst und Religion mitgegeben worden. Doch die Forschung an den Steinen sei auch für ihn völlig neu gewesen. "Mittlerweile weiß ich, dass Kirchen nicht nur Behausung für die Gemeinde sind, sondern steingewordener Lobpreis Gottes", sagt Rochow.

"Die Kirchengemeinde stellt sich der Aufgabe des Lapidariums." - Stephan Hoenen, Superintendent

Teile davon enthält das Lapidarium. "Wir haben viele Reste von Kirchen aus dem 15., 16. und 17. Jahrhundert", erzählt Rochow. Die ältesten Steine sind sogenannte Würfelkapitelle aus ottonischer Zeit. "Besonders für eine im Mittelalter kirchenreiche Stadt wie Magdeburg ist ein Lapidarium etwas Besonderes", sagt Rochow. "Die Kirchengemeinde stellt sich der Aufgabe des Lapidariums. Momentan laufen Planungen dazu", sagt Stephan Hoenen.

Thomas Rochow jedenfalls würde weiter die Geschichten der Steine erzählen. Aber es ist mit den Öffnungszeiten eine Vollzeitaufgabe. "Mir ist die Sammlung ans Herz gewachsen", sagt er. "Wenn sich doch noch eine Finanzierungsmöglichkeit ergibt, wäre ich präsent."

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