Magdeburg l "Stellen Sie sich vor, Sie erfahren aus der Zeitung, dass Ihre Kita gerade im Begriff ist, ihr Gebäude zu verlieren", beginnt Dr. Christian Krätzer seinen Hilferuf an die Redaktion. Der Vater von Zwillingen, die in der Kita "Sterntaler" im ehemaligen Humboldt-Gymnasium betreut werden, fiel aus allen Wolken, als die Volksstimme Ende Mai über den Umzug der "Neuen Schule" berichtete. Die Einrichtung sollte bereits zu Beginn des kommenden Schuljahres, also in wenigen Wochen, in das Gebäude in der Nachtweide einziehen. Was dann mit den 80 Kita-Kindern passiert, hatte offenbar niemand bedacht.

Auch beim Träger der Einrichtung, der Johanniter-Unfallhilfe, war man vom Geschäft der Stadt mit dem Schulträger überrascht gewesen. "Das kann nicht wahr sein", habe sie beim Lesen des Artikels gedacht, berichtet Vorstand Martina von Witten. Großes Entsetzen habe es bei Eltern und Erziehern gegeben. Mittlerweile gab es aber ein Treffen mit allen Beteiligten, sagt sie weiter, nach dem die Stadt nun schnell nach Lösungen sucht. "Die Eltern müssen sich keine Sorgen machen", erklärt sie.

Auf die Anfrage der Volksstimme bei der Stadt zur Causa Nachtweide meldet sich das Stadtoberhaupt persönlich. Oberbürgermeister Lutz Trümper stellt zunächst klar, wie es zu der Entscheidung kam. "Wir haben dem Stadtrat in nichtöffentlicher Sitzung den Vorschlag zur Übertragung gemacht und wollten erst mal warten, ob er ihn beschließt", sagt er.

Grund für die Verhandlungen war eine Entscheidung der selben Ratsherren. Weil die das geplante kommunale Gymnasium im Schulkomplex am Lorenzweg unterbringen wollten, musste der "Neuen Schule" dort gekündigt werden. Das Humboldt-Gymnasium sollte ihre neue Heimat werden.

Das wird nun aber erst im nächsten Schuljahr passieren, erklärt der OB. Ein Umzug in den nächsten Wochen und damit eine kurzfristige Lösung für die "Sterntaler"-Kita sind somit vorerst vom Tisch. Dass es dazu gekommen ist, verdanken alle Beteiligten der Fördermittelpolitik des Landes. Weil das Gymnasium mit Stark-III-Geldern saniert werden soll, für deren zweite Förderperiode aber noch keine Regeln existieren, kann die Stadt frühestens 2015 entsprechende Anträge stellen. Bis die bewilligt sind, dauert es erfahrungsgemäß ebenfalls eine Weile. "Somit stört uns das eine Jahr nicht", sagt Trümper. Die "Neue Schule" kann besser ihren Umzug und die notwendigen Umbauten in der Nachtweide vorbereiten und die Stadt hat mehr Zeit, um einen geeigneten Ausweichstandort für die Kita zu finden.

"Das ist ein Aufatmen auf unserer Seite", sagt der Vorsitzende des Elternkuratoriums, Christian Krätzer. Er sieht zum Auszug keine Alternative, weil Kita und Schule nicht kompatibel seien. Schade sei es nur, dass die Eltern wiederum aus der Zeitung von dieser Entwicklung erfahren müssen.

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