Es soll eine Botschaft des Friedens, der Versöhnung und der Völkerverständigung werden. Das Borussia-Denkmal im Herrenkurg soll in neuer Gestalt wiederbelebt werden. Künstler aus Frankreich sammelten am Wochenende erste Ideen.

Herrenkrug l Neben all dem Grün hat der Herrenkrugpark auch die ein oder andere Sehenswürdigkeit zu bieten. Beispielsweise die Borussia*-Säule. Vor einem Jahr entstand unter den Mitgliedern des Wohn- und Kulturprojektes Vitopia und des Vereins "Lebensraum am Fluss" die Idee, das Kunstwerk im Herrenkrug wiederzubeleben. "Da wir hier leben, sind wir natürlich interessiert den Park weiter aufzuwerten, dabei fiel uns auch der alte Sockel der Borussia-Statue ins Auge", erklärt Jörg Dahlke, Vorstandsmitglied der Vitopia eG.

Die Vereinsmitglieder haben sich intensiv mit der Geschichte der Borussia auseinandergesetzt, daher stand von Anfang an eine Neuinterpretation des Denkmals fest.

"Eine zwei Meter hohe Frauengestalt mit einem Adler auf dem Kopf, einem Siegerkranz in der linken und einem Speer in der rechten Hand wird es nicht geben", erzählt Jörg Dahlke. Der militärische Hintergrund der einstigen Statue soll nicht mehr im Herrenkrugpark in Erscheinung treten, sondern der Versöhnungsgedanke und die deutsch-französische Freundschaft. Entwürfe und Pläne zur Umsetzung gebe es aber zum jetzigen Zeitpunkt nocht nicht.

"Wir veranstalten derzeit einen Workshop mit vier französischen Künstlern", berichtet der Magdeburger. Die Veranstaltung konnte mithilfe des Magdeburger Kulturbüros realisiert werden. Denn auch die Stadtverwaltung zeigte sich angetan von einer Neuinterpretation. "Man kann nur die Bürger ermutigen, sich mit der Geschichte der Stadt auseinanderzusetzen. Ich befürworte das bürgerliche Engagement und bin gespannt auf das Ergebnis", erklärt Kulturbeigeordneter Rüdiger Koch auf Nachfrage der Volksstimme. Auch das Landesamt für Denkmalpflege steht den Plänen offen gegenüber, erzählt Jörg Dahlke. Mithilfe des Instituts français Sachsen-Anhalt und Violaine Varin, Kulturbeauftragte der französischen Botschaft in Deutschland, wurden französische Künstler für das Projekt gesucht.

"Zehn Künstler haben sich gemeldet. Mit Unterstützung von der Leiterin des Kunstmuseums, Annegret Laabs, wurden vier Künstler, Lana Loeber, Marjolaine Gony, Nicolas Grun und Cécile Pitois nach Magdeburg zu einem gemeinsamen Workshop eingeladen", berichtet Jörg Dahlke. Am Wochenende wurden die ersten Ideen zur Umgestaltung gesammelt, denn zukünftig soll das Denkmal die Botschaft des Friedens, der Versöhnung und Völkerverständigung widerspiegeln.

Die Künstlerin Lana Loeber ist vom Projekt begeistert. Sie kannte bis dato die Borussia-Statue und ihre Geschichte nicht und freut sich, hier etwas Neues entstehen zu lassen. Die 52-Jährige stammt ursprünglich aus Deutschland, lebt aber mittlerweile seit über 25 Jahren in Frankreich, derzeit in Magdeburgs Partnerstadt Le Havre. "Ich würde den Sockel in den Mittelpunkt stellen. Auf eine symbolträchtige Figur würde ich verzichten. Das neue Denkmal könnte die Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts widerspiegeln", erzählt die Künstlerin begeistert. Sie könnte sich eine farbige Gestaltung , die sich in die Umgebung einfügt, sehr gut vorstellen.

Auch die anderen Künstler haben sich schon ihre Gedanken gemacht. Marjolaine Gony, die derzeit in Barleben am Internationalen Gymnasium Pierre Trudeau unterrichtet, würde ebenfalls den noch erhaltenen Sockel in den Mittelpunkt stellen. "Ich finde die Geschichte des Denkmals interessant und freue mich bei diesem Projekt dabei zu sein", erzählt die gelernte Pädagogin.

*Borussia ist die lateinische Übersetzung für Preußen. In Literatur und Kunst wurde das ehemalige Königreich häufig bildhaft als Frauengestalt dargestellt, die den klangvollen Namen "Borussia" trägt.