Das Straßenfest zum diesjährigen Magdeburger Christopher Street Day (CSD) wird am 16. August erstmals auf dem Alten Markt gefeiert. Das teilten die Organisatoren am Montag auf einer Pressekonferenz mit. Spannende Personalie: CDU-Landtagsabgeordneter und Stadtrat Wigbert Schwenke ist Schirmherr des CSD 2014.

Magdeburg l Die Entscheidung des CDU-Mannes lässt aufhorchen: Wigbert Schwenke, Fraktionschef von CDU/FDP/Bund für Magdeburg im Stadtrat, übernimmt in diesem Jahr die Schirmherrschaft für den 13. Christopher Street Day und die CSD-Aktionstage der lesbisch-schwulen Gemeinschaft in Magdeburg. Und das gemeinsam mit der Vorsitzenden des Magdeburger Stadtrates, Beate Wübbenhorst von der SPD.

Angetragen wurde beiden die Schirmherrschaft vom gleichnamigen Verein CSD Magdeburg. Dieser organisiert die Aktionstage mit Partnern wie dem Lesben- und Schwulenverband Sachsen-Anhalt. "Ich gebe zu, ich stand dem CSD bisher distanziert gegenüber und war überrascht, dass mir die Schirmherrschaft angetragen wurde", so Schwenke gestern auf der CSD-Pressekonferenz im Regenbogencafé an der Schäfferstraße.

Nach Gesprächen mit Parteifreunden und Fraktionskollegen habe er zugesagt: "Gerade vor dem Hintergrund des diesjährigen CSD-Mottos ,Akzeptanz! Jetzt!` möchte ich damit ein Zeichen gegen Homophobie setzen, auch wenn wir zu einzelnen Punkten aus dem Forderungskatalog des CSD unterschiedliche Auffassungen haben", sagte Schwenke.

Der CDU-Mann aus Ottersleben schob angesichts seiner CSD-Schirmherrschaft wohlweislich hinterher: "Das wird bestimmt Diskussionen geben, aber diesen werde ich mich gern stellen." CDU und CSD seien aus seiner Sicht kein Widerspruch: "Ich kenne viele in unserer Partei, die sich zu ihrer Homosexualität bekennen und Funktionen bekleiden. Deshalb ärgert es mich auch so, wenn der CDU von einigen pauschal Homophobie unterstellt wird."

Die Stadtratsvorsitzende Beate Wübbenhorst (stellt sich an diesem Donnerstag im neu zusammengesetzten Rat zur Wiederwahl) hatte die lebisch-schwule Gemeinschaft bereits in den Vorjahren zum CSD im Rathaus empfangen.

Die SPD-Politikerin sprach gestern von einer positiven Entwicklung seit 2011. Unvergessen die damaligen Schlagzeilen: Der Streit um das Hissen der Regenbogenfahne am Rathaus als schwul-lesbisches Symbol für Vielfalt und Toleranz ließ den Ratssaal "beben". Doch schließlich beschloss der Stadtrat mit großer Mehrheit eine Reihe von Anträgen, die dem CSD umfangreiche Unterstützug zusicherten.

So soll auch in diesem Jahr die Regenbogenfahne am Rathaus wehen. Am 8. August findet dort die Eröffnung der CSD-Aktionstage statt. Um 14 Uhr lädt die Landeshauptstadt mit ihrer Gleichstellungsbeauftragten Heike Ponitka zu einem offiziellen Empfang ein.

Das CSD-Programm umfasst neben Partys, Literatur- und Filmnächten sowie Workshops auch erneut eine Andacht in der evangelischen Hoffnungsgemeinde, diesmal mit dem Chor "Queerubim". Außerdem geplant: ein Fußballturnier und Grillfest beim SV Arminia Magdeburg auf dem Jahnsportplatz am 10. August ab 15 Uhr sowie eine Info- und Diskussionsveranstaltung mit Politikern, Pädagogen und Schülervertretern zum Thema "Homophobie im Schulalltag?" am 14. August, 19 Uhr, im Volksbad Buckau.

Höhepunkt ist die schrill-bunte CSD-Demo-Parade am 16. August. Start ist um 13 Uhr auf dem Alten Markt. Dort findet anschließend erstmals auch das CSD-Straßenfest statt: "Bisher haben wir eher versteckt an der Hegel- bzw. Liebigstraße gefeiert. Der Platz dort ist aufgrund des großen Zuspruchs inzwischen zu klein. Deshalb ziehen wir auf den Alten Markt", erklärte Grit Merker vom Vorstand des CSD-Vereins. Ihr Vorstandskollege Mathias Fangohr dazu: "Wir sind sichtbar mitten in der Stadt angekommen, werden gehört und ernst genommen."

Infos im Internet: www.csdmagdeburg.de