Schlangen, Reptilien, Singvögel - der Trend geht zum exotischen Haustier. Ist der Halter überfordert, landen die Tiere häufig im Heim. Neuester Zugang in Magdeburg: eine 22-Kilo-Schildkröte.

NeueNeustadt l Mit einem Grashalm im Maul stemmt sie ihren gelbbraun gepanzerten Körper nach oben und setzt einen hornigen Fuß vor den anderen. Seit knapp drei Wochen kriecht die 22 Kilo schwere Spornschildkröte durchs Magdeburger Tierheim. "Ein Bürger hat sie an der Landstraße zwischen Randau und Calenberge gefunden und die Tierrettung verständigt", erzählt Tierheimleiter Andreas Reichardt. Zur Versorgung und vorläufigen Unterbringung sei sie ins Tierheim gebracht worden.

Anhand des individuellen Musters können wir die Tiere zuordnen."

Andreas Reichardt, Tierheimleiter

Da der Besitzer seine Schildkröte bislang nicht als vermisst gemeldet hat, "fahnden" Tierheim und Umweltamt derzeit nach ihm. Gehalten werden könne ein solches Tier prinzipiell von jedem, auch ohne Vorkenntnisse, sagt Stadtsprecher Michael Reif. "Die Spornschildkröte ist allerdings geschützt und muss mit Herkunftsnachweis beim Umweltamt oder dem Cites-Büro Sachsen-Anhalt gemeldet werden", erklärt Reif. Von jeder gemeldeten Schildkröte sind beim Umweltamt Fotos des Panzers hinterlegt, von Ober- und Unterseite. "Anhand des individuellen Musters können wir die Tiere zuordnen", erklärt Andreas Reichardt. Jedoch wisse man nicht, ob das Reptil vielleicht ganz woanders herstammt.

"Mancher Tierhalter ist mit der Haltung seines Tieres irgendwann wegen der Größe und der damit steigenden Anforderungen überfordert", sagt Reichardt. "Denn Umtausch ist ausgeschlossen." Bei exotischen Tieren sei oft die Größe das Problem. Das Magdeburger Tierheim-Exemplar der Spornschildkröte beispielsweise ist mit seinen 70 Zentimetern Länge längst nicht ausgewachsen. "Die Tiere erreichen 1,30 Meter", sagt Reichardt. Um seine stattliche Körpergröße zu halten, braucht das Panzertier ausreichend Nahrung. "Die wechselwarmen Tiere fressen im Winter kaum etwas, dafür aber im Sommer bis zu 800 Gramm täglich", sagt Dr. Winfried Kirchner.

"Auf dem Speiseplan stehen Heu, Salat und Weintrauben."

Dr. Winfried Kirchner, stellvertretender Amtstierarzt in Magdeburg

Der stellvertretende Amtstierarzt der Stadt Magdeburg erzählt: "Auf dem Speiseplan stehen neben Raufutter wie Heu Salatblätter, Gurke und Kohlrabi, Äpfel, Birnen, Pfirsiche und Weintrauben." Streng vegetarisch und äußerst gesund also. Kein Wunder, dass die Tiere bis zu 100 Jahre alt werden. Wie alt die Schildkröte im Tierheim ist, sei schwer zu sagen, so Reichardt. Er schätzt: "Vielleicht zehn, vielleicht 30 Jahre." Was jedoch feststeht, ist: "Es ist ein männliches Tier." Fälle wie dieser haben in den vergangenen Jahren zugenommen. "Wir können einen Trend zu exotischen Haustieren beobachten", sagt Reichardt. "Und wir

haben dementsprechend viele davon - ob ausgesetzt oder entlaufen - im Heim." Neben der Spornschildkröte sind das aktuell zwei Wasserschildkröten, eine Vogelspinne und drei Bartagamen.

"Für die Schildkröte wäre es am besten, wenn sie zurück nach Hause kommt."

Tierheimchef Reichardt

Ebenso wie Hunde und Katzen werden die Exoten vermittelt. Die Schildkröte jedoch soll bestenfalls zu ihrem ursprünglichen Besitzer zurück. "Denn ein solches Tier kann man nur im großen Garten halten", so Reichardt. Er sagt: "Für die Schildkröte wäre es am besten, wenn sie zurück nach Hause kommt."