Magdeburg l Noch bis zum kommenden Sonnabend, 19. Juli, ist die Ausstellung "Die Opfer des NSU und die Aufarbeitung der Verbrechen" jeweils bis 20 Uhr im City-Carré Magdeburg zu sehen. Am heutigen Montag, 14. Juli, 20 Uhr laden die Fraktion Die Linke im Landtag von Sachsen-Anhalt, Miteinander e.V. und Auslandsgesellschaft Sachsen-Anhalt e.V. zur ausstellungsbegleitenden deutsch-türkischen Konzertlesung "Blumen für Otello" mit Autorin Esther Dischereit und DJ Ipek alias İpek İpekçioğlu ein. Die Veranstaltung findet im Management Forum des City Carré, Kantstraße 5, 2. OG, statt. Der Eintritt ist frei.

Inhalt: Nach Schüssen und Morden in Serie beginnt die Ermittlungsmaschinerie beginnt zu laufen. Doch sie scheitert, weil sie keineswegs so vorbehaltlos rational funktioniert, wie sie es von sich behauptet. Zeichen werden missachtet, Hinweise falsch gedeutet, Akten vernichtet, es kann nicht sein, es darf nicht sein.

Einfühlsam und mit großer poetischer Kraft ermittelt Esther Dischereit in ihren Klageliedern, was die Verbrechen des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) angerichtet, welche Lücken sie bei den Hinterbliebenen aufgerissen haben. Sie ermittelt mit ihrem Opernlibretto Blumen für Otello, welche Vorurteile die Verbrechen möglich und ihre Aufklärung unmöglich gemacht haben, wie der Rassismus und die soziale Voreingenommenheit gegenüber einer stigmatisierten Unterschicht den Apparat blind und ihn umso furchtbarer selbst zum Täter gemacht haben, indem er nach Schuld bei denjenigen sucht, die mit ihrem Leben bezahlen mussten.

Die Autorin sagt: "Ich wollte die Betroffenen und Getöteten sichtbar machen" über ihre literarische Auseinandersetzung mit den Verbrechen des NSU und den Folgen für die Hinterbliebenen. "Es hat so unendlich viele Verhinderer, Boykotteure und Schweigende gegeben. Für mich ist diese Möglichkeit, mich als Dichterin auszudrücken, auch eine Form der Intervention im öffentlichen Raum", sagt Esther Dischereit.

Esther Dischereit wurde 1952 in Heppenheim geboren. Die deutsch-jüdische Lyrikerin, Essayistin, Erzählerin, Theater- und Hörstückautorin hat sich immer wieder mit Ausgrenzung, Rassismus und Assimilation beschäftigt. Seit 2012 ist sie Professorin für Sprachkunst an der Universität für angewandte Kunst in Wien. Im Jahr 2009 erhielt sie den Erich-Fried-Preis. Für "Blumen für Otello" hat sie regelmäßig die Sitzungen des Bundestagsuntersuchungsausschusses zu den NSU-Morden besucht.

İpek İpekçioğlu, geboren als Tochter türkischer Immigranten in Bayern, ist eine typische "Alamanci" Deutschländerin, die seit 32 Jahren in Berlin lebt. Die international renommierte Producerin und DJ ist mit ihrem Eklektik BerlinIstan aus elektronischer- und Dancemusik der Türkei, OrAsia sowie Balkan auf Festivals und in Clubs von New York, den Wüsten Malis, Salvador de Bahia, Stockholm über Istanbul, Glasgow, Kairo bis hin zu Shanghai, Mumbai oder Peking zu finden. In Schweden wurde sie vom Queer-Magazin QX zum hippsten DJ Europas gewählt, in London gewann sie die World Beat DJ Competition. Ihre CD Beyond Istanbul - Underground grooves of Turkey – Trikont stand auf der Bestenliste der deutschen Schallplattenkritik. Daneben komponiert sie Musik für Dokumentarfilme, interpretiert Werke der klassischen Musik auf elektronische Weise neu und produziert Musik für Theater und Oper.