Magdeburg l Auf Magdeburg habe er sich ganz besonders gefreut, sagt Guy Patin. Der 66-jährige Franzose fährt in seinem Sport-Rollstuhl 1500 Kilometer über mehrere Orte von Nordfrankreich in das ehemalige Konzentrationslager Sachsenhausen.

Vor 71 Jahren wurde dort sein Urgroßvater Alfred Leriche von den Nationalsozialisten ermordet. Leriche war französischer Bergarbeiter und hatte 1941 einen Streik gegen die deutschen Besatzer organisiert. "Magdeburg war ein wichtiges Zentrum im Widerstand gegen die Nationalsozialisten", sagt Patin. Einer der bekanntesten Kämpfer war etwa Otto Lehmann, der 1936 wegen Hochverrats verhaftet worden war.

Patin ist leidenschaftlicher Sportler. Während eines Rugby-Spiels brach er sich 2001 die Wirbelsäule. Seit diesem Unfall kann er nur noch kurze Wege zu Fuß gehen und ist auf einen Rollstuhl angewiesen. Aufgeben kommt für den Franzosen allerdings nicht in Frage. Der ehemalige Sportlehrer fährt auch Marathons. Er ist also gut trainiert.

"Neu ist für mich nur, dass ich 30 Kilogramm Gepäck dabei habe", sagt er auf Französisch. Auf seiner Reise ist er allein unterwegs. Seine Etappen sind zwischen 40 und 100 Kilometer lang. Der Rollstuhl wird per Hand betrieben. Zur Unterstützung hat Patin noch zwei Akkus, die er zuschalten kann. In Sachsenhausen will Patin am 26. Juli ankommen.

Neben dem sportlichen Aspekt ist die Fahrt für ihn auch eine sehr persönliche. Er habe viel Zeit zum Nachdenken. "Ich finde es wichtig, dass vor allem junge Leute daran erinnert werden, was in Europa Schreckliches passiert ist", sagt er. Die Bestie des Nationalsozialismus sei vielleicht verschwunden, aber überall tauchten neue kleine Monster auf.

Patin spielt damit auch auf das Wiedererstarken rechtsextremer Parteien wie des Front National unter Marine Le Pen in Frankreich an. "Traurig", sagt Patin. Auch im Nationalsozialismus hätten sich die Leute schleichend und nicht plötzlich radikalisiert. Er wolle mit seiner Reise auch an die tiefe Freundschaft zwischen Frankreich und Deutschland erinnern.