Seit über einem halben Jahrzehnt ist die islamische Gemeinde Magdeburg auf der Suche nach geeigneten Gebetsräumen - bisher ergebnislos. Jetzt signalisiert der Stadtrat Unterstützung und unterbreitet eine Reihe bemerkenswerter Vorschläge.

Magdeburg l Abseits der AfD - sie enthielt sich zum Thema der Stimme und jeglicher Wortmeldung - erkennen alle Ratsfraktionen und auch die Verwaltung das akute Raumproblem der islamischen Gemeinde in Magdeburg an und geloben Hilfe bei seiner Lösung. Zwischen 400 und 600 Magdeburger Muslime treffen sich derzeit regelmäßig zum Gebet in einer angemieteten Baracke in der Weitlingstraße. Wer zuletzt kommt, muss seinen Teppich bisweilen in Fluren, der Küche oder gar vor dem Haus auf der Straße gen Mekka ausrichten; keine würdige Religionsausübung.

2009 wandte sich die Gemeinde erstmals mit einem Hilfegesuch an den Oberbürgermeister. Die Verwaltung prüfte in der Folge acht Standorte, darunter Lager- und Turnhallen und kam regelmäßig zum Schluss: ungeeignet. Entweder reklamierte die Stadt weiteren Bedarf (Turnhallen), die Gemeinde selbst lehnte das Objekt ab oder es kam zu keiner Einigung mit privaten Besitzern. Die Gemeinde schlug zwischenzeitlich in der Öffentlichkeit und im Stadtrat Alarm. Sie wächst und die Bedingungen in der Baracke werden immer unhaltbarer. Der Rat (Anträge von future!, Grünen, SPD und CDU/FDP/BfM) will die Raumsuche forcieren und ruft prominente Immobilien zum Gebet auf.

Oliver Wendenkampf (future!) kann sich das Amo oder das benachbarte "Talente" als neues Gemeindezentrum der Muslime vorstellen. Grüne und Christdemokraten könnten sich für die Abgabe der Hyparschale an die Gemeinde erwärmen. Und Jürgen Canehl (Grüne) wirft schließlich noch die alte Sporthalle in Buckau in den Ring. Der SPD-Oberbürgermeister und die SPD-Fraktion sind vom Stimmengewirr wenig begeistert. Sozialdemokrat Falko Grube, zugleich Stadtchef und Stadtrat der SPD, warnt mit Blick auf die Gläubigen: "Diese Menschen haben nicht verdient, dass man ihnen falsche Hoffnungen macht, indem man ihnen ständig ungeeignete Objekte anbietet." Die meisten genannten Vorschläge würden die Möglichkeiten der Gemeinde selbst weit überschreiten. OB Lutz Trümper schäumt: "Wir haben Amo und Hyparschale zum privaten Betrieb und zum Verkauf ausgeschrieben. Wir sind in Verhandlungen. Was soll das für ein Signal an die Interessenten sein, wenn sie diese Objekte jetzt hier aufrufen?"

Die Ideengeber verteidigten sich damit, dass es sich bei ihren Anträgen ja lediglich um Prüfaufträge handele. Ziemlich wahrscheinlich liefe eine Prüfung im Fall von Amo, Hyparschale und Talente ins Leere; zu groß, zu teuer. Immerhin die Idee der (partiellen) Sporthallennutzung in Buckau für den religiösen Zweck will der OB an deren Eigentümer und die Gemeinde weiterleiten.

Eines offenbarte die Ratsdebatte zum Thema allerdings darüber hinaus: Das Maß an Unterstützung, das die Stadt der Gemeinde zukommen lassen soll, wird politisch unterschiedlich definiert.

Alfred Westphal (Grüne) kann sich eine echtes Moschee à la Köln in Magdeburg gut vorstellen. "Ich sehe keinen Unterschied zwischen der islamischen und der jüdischen Gemeinde und auch nicht zu evangelischen und katholischen. Alle gehören inzwischen zu uns und wir sollten uns nicht damit zufrieden geben, jetzt irgendeine leer stehende Kaufhalle zu suchen, wo die sich mal ein bisschen hinknien können. Warum nicht die Hyparschale zur Moschee machen?"

Michael Hoffmann (CDU) interveniert heftig: "Wir befinden uns im christlichen Deutschland und ich würde mich vehement dagegen wehren, dass in meinem Magdeburg Minarette gebaut werden!"

Der Ton wird plötzlich scharf.

Sören Herbst (Grüne) wirft Hoffmann "Zündelei" vor. Hoffmann tituliert Herbst dafür als "Gutmenschen". Aber auch der OB fühlt sich von Seiten der Grünen, von Westphal und Herbst, genervt: "Diese ständige moralisierende Überheblichkeit passt mir langsam nicht mehr in den Kram. Ich brauche Ihre Belehrungen nicht!" Zwischenruf Westphal: "Die kriegen Sie aber, wenn sie nötig sind." Trümper wehrt sich gegen den latenten Vorwurf, die Verwaltung unterstütze die Gemeinde nicht aktiv genug bei der Lösung ihres Problems. "Wir machen das proaktiv. Ich habe der Gemeinde eben erst einen neuen Vorschlag unterbreitet."

Letztlich votierte fast der komplette Rat (einige Enthaltungen bei AfD und CDU) für einen allgemein gehaltenen SPD-Antrag, der - ohne Nennung von Objekten - Unterstützung für die islamische Gemeine einfordert.

Am 28. Juli endet für die Muslime der Fastenmonat Ramadan. Den Anlass begehen Gläubige weltweit und auch in Magdeburg mit einem dreitägigen Fest. Die rund 500 aktiven Magdeburger Muslime werden es in ihrer schäbigen Baracke feiern müssen.

Die hitzige Ratsdebatte hat bei der Lösung des Problems keinen Schritt weitergeholfen.