Am Freitag verabschiedeten sich nicht nur die Viertklässler von der Europaschule "Grundschule Westerhüsen", auch für Andrea Pieper war es der letzte Tag an der Schule. Das Westerhüser Urgestein, wie die Hortnerin genannt wird, geht in den Ruhestand.

Westerhüsen l "Sie kennt die Schüler und deren Familien, schon bevor die Kinder unsere Schule besuchen", sagt Schulleiter Stähr über Andrea Pieper. Nach 36 Dienstjahren an der Westerhüser Schule ist die Hortnerin gestern in den Ruhestand verabschiedet worden. "Das ist eine Aufgabe, die ich nur ungern übernehme", so Stähr Minuten bevor Andrea Pieper von den Kollegen, Lehrern und Schülern mit einem Programm zum Abschied in der Aula überrascht wird. Erwachsene wie Kinder haben mit den Tränen zu kämpfen, einige wehren sich vergebens gegen die wehmütigen Gefühle. "Nun wird es Zeit für mich, anderen Kollegen Platz zu machen. Ich freue mich auf die Zeit, die kommt", so Andrea Pieper. Die werde sie mit ihren Enkelkindern verbringen und "all dem, was über die Jahre etwas beiseite geschoben wurde".

Als Schülerin besuchte sie einst selbst die heutige Europaschule und kehrte als Horterzieherin an die Schule zurück. Über die Jahre hat sie die Entwicklungen der Einrichtung an der Zackmünder Straße begleitet. "Früher wurden hier 20 Klassen an der polytechnischen Schule unterrichtet. Im Laufe der Zeit sind immer mehr Familien aus den Stadtteilen im Südosten weggezogen, was sich in den immer geringer werdenden Schülerzahlen wiederspiegelte", so Andrea Pieper, die insgesamt 45 Jahre als Erzieherin tätig war. "Was die Arbeit in der Grundschule ausgemacht hat, ist die gute Zusammenarbeit mit den Lehrern."

"Liebe Frau Pieper, die Zeit mit dir war schön. Wir sagen nun auf Wiedersehen", schallt es aus den Kehlen der Grundschüler. Elternratsvorsitzender Marco Düsterhöft verbindet mit der Hortnerin eine besondere Geschichte: "Sie hat mehrere Generationen meiner Familie begleitet", so der 44-Jährige. Sein Urgroßvater Paul Weber war einst Leiter der Westerhüser Schule und Mathelehrer von Andrea Pieper. Sein Onkel war ihr Klassenkamerad. Als sie Jahre später auf der Suche nach einer Wohnung gewesen sei, habe seine Oma ihr eine vermittelt. "1976 bin ich zur Schule gekommen und war hier zehn Jahre lang Schüler. Mit meiner Schwester wurde ich von Andrea Pieper im Hort betreut, gemeinsam haben wir Ferienspiele besucht, waren im Stadtpark und gingen im Turmpark baden", so Düsterhöft. 2008 ist sein ältester Sohn Moritz eingeschult worden, vor zwei Jahren Sohn Jakob. "Beide wurden liebevoll von Frau Pieper betreut", sagt er weiter. Und: "Sie ist das Urgestein dieser Schule."

So ganz aus den Augen werde sie die Schule nicht verlieren, sagt Andrea Pieper: "Ich bin mit ihr verwachsen und werde die Einladungen zum Besuch gern annehmen."