Magdeburg l Sophia liegt gut in der Hand, hat die Größe eines Smartphones und wird über Apps bedient. Ein-, zweimal tippen und es kann losgehen. Wer möchte, kann sich zuerst das Museum selbst, also das Kloster, die Kirche und die neuen, modernen Anbauten anschauen. Oder man lässt sich von Sophia gleich in eine der Ausstellungen und Sammlungen führen oder ein ganz bestimmtes Kunstwerk erklären. Erläuterungen zu rund der Hälfte aller Kunstwerke des Museums hat Sophia in ihrem "Speichergehirn". Die entsprechenden Werke haben eine Nummer, damit muss Sophia "gefüttert" werden und schon tut sie über den Kopfhörer kund, "was uns der Künstler damit sagen will". Und Sophia hat auch ein Herz für Kinder und bietet Extraführungen für junge Besucher zwischen sechs und zehn Jahren an.

Nur elektronisch

Aber auch wenn Sophia einen menschlichen Namen hat, es ist ein elektronisches Speichermedium, ein Navigationssystem durch das Museum, das nur in eine Richtung funktioniert, ein "Führer nur zum Hören" (Audio-Guide). "Wir wollen damit nicht die klassischen Führungen durch unser Museum ersetzen", sagt Leiterin Dr. Annegret Laabs. Mit einer versierten Führung aus "Fleisch und Blut" könne man sich unterhalten, Fragen stellen, Gedanken austauschen, das gehe mit Sophia natürlich nicht. Aber man sei doch sehr froh, endlich einen elektronischen Multimedia-Guide anbieten zu können. Damit werde das Kunstmuseum wieder ein Stück attraktiver.

Rund 50.000 Besucher konnten im vergangenen Jahr im "Kloster Unser Lieben Frauen" begrüßt werden und man hofft, diese Zahl mit dem neuen Angebot weiter steigern zu können. "Es gibt durchaus eine Menge Besucher, die gern für sich allein durch die Ausstellungen gehen oder aber ganz gezielt ein Kunstwerk betrachten wollen", so Annegret Laabs. Für sie sei der elektronische Museumsführer gemacht.

Das Gerät ist inhaltlich so gestaltet, dass man komplette Rundgänge unternehmen oder einzelne Ausstellungen abrufen kann. Man kann sich führen lassen oder aber per Fingertippen auf dem Display nach eigenem Interesse "hin- und herspringen".

Rund ein Jahr lang hat die Programmierung von Sophia gedauert. Alle Texte - sie werden von Schauspielern gesprochen - mussten so gestaltet werden, dass sie nicht langweilig werden, sondern die Zuhörer immer "bei Laune" halten. Und das System muss sich von selbst erklären. "Ich habe mir unzählige Audio-Guides in anderen Museen angehört, um herauszufinden, welches System am besten zu uns passt", sagt Annegret Laabs.

Vorerst kostenlos

Am Ende habe man sich für das Berliner Unternehmen "Linon" als Partner entschieden, das unter anderem Audio-Guides für "Das Haus der Geschichte" in Bonn, das "Deutsche Hygienemuseum" in Dresden, die "Arche Nebra" und das "Germanische Nationalmuseum Nürnberg" entwickelt hat. Eine echte Bereicherung dabei war die Arbeit von Larissa Rausch. Sie hat ihr "Freiwilliges Soziales Jahr" im Kunstmuseum absolviert und sich dabei mit Kinderangeboten befasst. Da lag es nahe, auch eine spezielle Kinderführung in den Audio-Guide aufzunehmen. Zusammen mit Schülern der Grundschule "Am Vogelgesang" ist Larissa Rausch durch die Ausstellung gegangen und hat ausgelotet, was Kinder interessieren könnte. "Das war eine tolle Ergänzung", freut sich Annegret Laabs.

20 Audio-Guides stehen im Kloster zur Verfügung. Die Finanzierung hat die "Kloster Bergesche Stiftung" möglich gemacht. Zu den Kosten wollte die Museumschefin allerdings nichts sagen. Die Nutzung ist zurzeit kostenlos, nur der Museumseintritt muss bezahlt werden. "Wir wollen erst einmal Erfahrungen damit sammeln", sagt Annegret Laabs.