Magdeburg l Tischler, Bademeister, Zoodirektor und selbst Kaiser können Kinder in Elberado sein. Denn in ihrer eigenen kleinen Stadt sind nur sie Bestimmer. Sie stellen Regeln für das gemeinschaftliche Zusammenleben auf, versuchen sich in handwerklichen und kreativen Berufen und gestalten selbst ihre Umgebung. Die Stadttore öffnen der Kinderbunt-Verein und die Hochschule Magdeburg-Stendal auf dem Campus im Stadtteil Herrenkrug vom 4. bis 13. August bereits zum dritten Mal.

Zehn Tage lang können Kinder im Alter von 8 bis 14 Jahren in der kleinen Stadt auf Zeit gesellschaftliche und politische Prozesse beispielsweise durch eine Bürgermeisterwahl mitbestimmen. Im Umkehrschluss müssen sie sich allein für ihre Rechte einsetzen und ihre Konflikte selbst lösen. "Auch ihre `Freizeit` können die Kinder selbst gestalten mit Freibadbesuch, Stadtbummel oder im Schönheitssalon", sagt Katrin Donocik. Sie gehört zur Gruppe der elf Studenten, die die Kinderstadt in zwei Semestern unter der Leitung von Jürgen Wolf vorbereitet haben. Der Professor für Alternswissenschaft erzählt: "Sachsen-Anhalt ist das Land mit dem sichtbarsten demografischen Wandel Deutschlands. Da ist es wichtig, eine gute Umgebung sowohl für die Älteren als auch für die Jungen zu schaffen." In Elberado könnten die Kinder lernen, ihre Umgebung selbst zu gestalten und Verantwortung dafür zu übernehmen. "Wir wollen sie nicht vorbereiten auf bestehende Strukturen, sondern sie diese selbst regeln lassen", sagt Wolf.

Tabu sind deshalb Erwachsene. Muttis und Vatis können im Elterngarten warten, wo sie von ihren Kindern nach dem "Arbeitstag" abgeholt werden. Nur in Ausnahmefällen können Erwachsene die Stadt betreten - mit einem Visum und in Begleitung von Kindern. Lediglich Betreuer vom Verein und der Hochschule sind den Mädchen und Jungen Ansprechpartner. "Wir haben zudem Betreuer aus ganz Europa zu Gast, die kein Deutsch sprechen", sagt Projektleiterin Julia Tecklenborg. Eine anspruchsvolle Lektion in Kommunikation also, für Kinder und Erwachsene.

Gefällt einem Kind der gewählte Beruf nicht, kann es fristlos kündigen. "Die Jungen und Mädchen können mehrere der etwa 40 angebotenen Berufe ausprobieren", sagt Katrin Donocik. Dazu zählt zum Beispiel die Arbeit in der Töpferei, der Seifenmanufaktur und dem Rathaus. "Wir haben außerdem ein Tattoo- und ein Fitnessstudio, einen Zoo und ein Freibad", erzählt Donocik.

Wer arbeitet wie die Erwachsenen in ihrer Stadt, bekommt natürlich auch Geld. Das heißt in Elberado "Elbo". "Während wir in den vergangenen Jahren die Wertstufen 1, 2 und 5 hatten, gibt es jetzt auch 7 und 11", sagt Julia Tecklenborg. Frisch gedruckt in der Stadtsparkasse Magdeburg. "Für uns war es neu, Geld zu drucken, aber jetzt sind wir sicher die beste Falschgeldmünzerei der Stadt", sagt Sparkassensprecher Mathias Geraldy. Erstmals soll es in diesem Jahr eine fachliche Auswertung geben, sagt Projektleiter Heiko Bergt. So können künftig die Erkenntnisse der Kinderstadt in die Kinder- und Jugendarbeit Magdeburgs einfließen.