Magdeburg l "So was habe ich noch nicht gesehen", berichtet Dieter Hudetz gestern am Redaktionstelefon und meint damit den Anblick des Wassergrabens in der Bastion Cleve unterhalb des Doms. Zahlreiche tote Fische treiben dort an der Oberfläche, zwischen ihnen schwimmen weitere, noch lebende Tiere umher.

"Ich war mit meinem Besuch am Dom und danach haben wir unsere übliche Runde zur Bastion Cleve fortgesetzt", erzählt Hudetz weiter, "und da haben wir die Bescherung gesehen." Viele Leute waren dort, einige Eltern zogen ihre Kinder fort. Ein leichter Verwesungsgeruch liegt bereits in der Luft. Die vergangenen heißen Tage liegen als Ursache für das Fischsterben nahe.

"Man kann es doch nicht so lassen", meint Dieter Hudetz, "das sind doch lebende Tiere." Er probierte sein Glück beim Tierrettungsdienst, bei der Feuerwehr, beim Ordnungsamt und bei der Behördenrufnummer 115. "Immer hieß es nur `Wir geben es weiter`", erzählt er. Die Feuerwehr war sogar vor Ort, erklärte sich aber auf Volksstimme-Nachfrage für nicht zuständig und verwies an die Stadt.

Deren Sprecher Michael Reif erklärte gestern, dass eine von der Stadt beauftragte Firma die toten Goldfische noch im Laufe des Tages abfischen und entsorgen werde. Die Rettung der überlebenden Tiere wird allerdings etwas länger dauern. "Für das Umsetzen der lebenden Goldfische und die Reinigung des Grabens sind Vorbereitungen notwendig, die einige Zeit in Anspruch nehmen werden", erläuterte der Rathaussprecher.

Das Problem sei leider auf unwissende "Tierliebhaber" zurückzuführen, die immer wieder Fische in dem Graben aussetzen. "Der Graben ist ein Teil der Festungsanlagen, aber kein Lebensraum für Tiere", sagt Reif. Goldfische waren von der Stadt nie vorgesehen. Bereits vor drei Jahren gab es eine große Umsetzungsaktion, weil der Graben schon damals mit Goldfischen voll war, so Reif weiter. Zudem wurde der Graben auch mehrfach von Abfällen und Unrat gereinigt, ein solches Fischsterben wie aktuell sei in den vergangenen Jahren aber nicht beobachtet worden.

Hinzu komme, dass nach der ursprünglichen Planung für die Bastion Cleve nie Wasser in dem Graben stehen sollte. Durch sogenanntes Schichtenwasser werde er aber immer wieder gefüllt. "Die Stadtverwaltung bittet diejenigen, die es in der Vergangenheit sicherlich gut gemeint haben, eindringlich darum, keine Fische mehr in dem Graben auszusetzen", richtet Michael Reif einen Appell an alle vermeintlichen "Fischfreunde".

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