Noch ehe ihre Reise richtig begonnen hat, kam sie auch schon zum Erliegen. Die tschechischen Abenteurer, die mit einem aus 6500 1,5-Liter-PET-Flaschen selbst gebauten Boot auf der Elbe von Nymburk nach Hamburg fahren und dabei auch in Magdeburg Halt machen wollten (Volksstimme berichtete), liegen seit nunmehr zehn Tagen in Dín vor Anker. Eine Welle deutscher Bürokratie brach über sie herein.

Bis Dín lief für die Crew um Jan Kara und Jakub Bures (beide 22) alles prächtig. Sie schipperten mit ihrer "Petburg" gemächlich die Elbe hinunter. Die Menschen winkten, brachten Essen und regelmäßig leisteten ihnen schöne Frauen Gesellschaft.

Doch seit sie in der tschechischen Grenzstadt ankern, ist der Wurm drin. Die Abenteurer traf das gänzlich unvorbereitet. In Tschechien hatten sie die Information, dass ihr Boot keine extra Genehmigung braucht und sie hofften, dass das auch für deutsche Wasserstraßen gilt. "Wir waren davon ausgegangen, dass die Regelungen in der EU einheitlich sind", rechtfertigt sich Bures. Dem war allerdings nicht so.

Eine Sondergenehmigung der tschechischen Behörden sollte Abhilfe schaffen. Sie war nötig, da der Kahn gut zehn Meter lang und vier Meter breit ist. "Das ist eine ganz übliche Sache und betrifft alle Flöße und ähnliche Transporte", bestätigt Klaus Kautz, Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamts in Dresden. Das Floß müsse derweil auf Navigations- und Schwimmfähigkeit untersucht werden. Für die fünf hieß es nun nachsitzen. Sie luden sich in einem Internetcafé die entsprechenden Antragsformulare herunter und mühten sich mit der Übersetzung.

Immerhin, den Humor haben sie nicht verloren. "Wir kennen Dín schon besser als Nymburk", flachst Jakub Bures, "aber wir wären lieber längst in Deutschland." Immerhin sollte ihnen vom tschechischen Amt eine Sondergenehmigung bis zur Grenze ausgestellt werden, auf deren Basis dann die deutsche erteilt werden soll.

Am Dienstag meldeten die PET-Kapitäne nun das nächste Problem. Es fehle ein Motor. Außerdem müsse ein "richtiger" Kapitän an Bord sein. "Wir hätten alles erfüllen können, aber einen Außenbordmotor und einen Bootsführerschein können wir so schnell nicht auftreiben", sagt Jan Kara. Er hatte gemeinsam mit Jakub Bures acht Monate an dem Kahn getüftelt. Er wird mit Muskelkraft wie ein Tretboot angetrieben. Deshalb waren sie davon ausgegangen, dass das Gefährt weniger strenge Anforderungen erfüllen muss. Doch egal ob Tretboot oder Floß - für das Wasserstraßenamt machte das keinen Unterschied. "Es gibt so viele Unfälle auf der Elbe. Wir müssen prüfen, ob das Gefährt sicher schwimmt und sich navigieren lässt", verteidigt AmtsleiterKlaus Kautzdas Vorgehen.

Für die fünf Tschechen war es dann doch zu streng, also haben sie beschlossen, ihre Fahrt mit der Petburg abzubrechen. Denn inzwischen drückt die Zeit. "Spätestens Anfang September müssen wir in Tschechien zurück sein", sagt Kara. Doch die gute Laune lassen sie sich nicht nehmen. Sie wollen ihren Weg nämlich ab heute auf alten Fahrrädern auf dem Elberadweg fortsetzen. "Damit wir jeden Tag eine Reparaturpause einlegen müssen, wie auf der Petburg", schmunzelt Kara. Einige Plasteflaschen wollen sie sich symbolisch ans Fahrrad klemmen. Nach Magdeburg kommen sie nun mit dem Rad - wenn`s gut läuft am Sonntag.