Magdeburg l Laut einem Beschluss sollen in einem Plattenbau am Westring Wohnungen für Asylbewerber entstehen. Recherchen haben nun ergeben, dass für die Immobilie noch nicht mal ein Vertrag zwischen Stadt und Vermieter besteht. Der Bericht über das geplante Asylbewerberheim am Westring in der Donnerstagsausgabe der Volksstimme hat weitere Fragen aufgeworfen.

Was passiert mit den Mietern, die derzeit noch im Westring-Haus wohnen?

"Der Stadt war nicht bekannt, dass dort Mieter wohnen", sagt die Verwaltung. Mieter zu sein, setze einen gültigen Mietvertrag voraus. Vom Bevollmächtigten des Vermieters seien keine Hinweise auf noch vermietete Wohnungen im Objekt gegeben worden. "Das umso mehr, da das Gebäude zu Wohnzwecken nicht geeignet war mangels Anschlüssen an die Medien", heißt es weiter. Fakt ist: Die Volksstimme war am Mittwoch vor Ort, traf in einer Stunde zwei Mieter. Einer konnte einen Mietvertrag vorweisen. Beide gaben an, dass der Eigentümer des Hauses in Leipzig wohnt. Ein Anruf bei der als Vermieterin auf dem Mietvertrag ausgewiesenen Frau bestätigt diese Vermutung.

Wer ist der Vermieter?

Bis zum jetzigen Zeitpunkt handele es sich lediglich um eine Absichtserklärung, unter bestimmten Bedingungen das unbewohnte Gebäude anzumieten, so die Stadt. Es sollen Außenflächen hergerichtet und eine entsprechende Ausstattung im Heizungs- und Sanitärbereich geschaffen werden. Die Stadt werde erst nach Erfüllung der Anforderungen den Mietvertrag abschließen. Die Frage, wer der Vermieter ist, bleibt unbeantwortet. Nach Informationen der Volksstimme soll ein bekanntes Magdeburger Immobilienbüro zumindest für die Verwaltung des Hauses zuständig sein.

Wann soll der Block am Westring 34 saniert werden?

Vor Anmietung des Gebäudes durch die Stadt sind durch den Vermieter Renovierungs- und Sanierungsarbeiten vorzunehmen, heißt es aus dem zuständigen Sozialdezernat. Das soll bis zum Bezugstermin (1. Oktober) passieren. Bislang wurde allerdings noch kein Mietvertrag geschlossen.

Hat es eine Begehung des Wohnblocks gegeben? Ist dabei aufgefallen, dass es an mehreren Stellen neonazistische Schmierereien gibt?

Laut Stadtverwaltung waren Sozial-Beigeordneter Hans-Werner Brüning, Polizei, Feuerwehr, Vertreter des Bauordnungsamtes, des Kommunalen Gebäudemanagements und des zuständigen Sozialdezernates vor Ort. Es wurden zur Veranschaulichung in den ersten beiden Aufgängen beispielhaft Wohnungen sowie Kellerräume besichtigt. Neonazistische Schmierereien seien dabei nicht aufgefallen. Ersichtlich sei aber gewesen, dass Wohnungen aufgebrochen worden sind. Die Volksstimme war zweimal vor Ort, hat sich Wohnungen und Hausflur angesehen. Kein fließendes Wasser, Schimmel, eingeschlagene Scheiben, Schmierereien. In einem Treppen-Haus steht groß: "Horror-Haus 88". Die 88 steht in der Neonazi-Szene für "Heil Hitler".