Magdeburg l Mittwochmorgen, Westring: Im Innenhof eines Plattenbaus stehen Mitarbeiter des Gesundheits- und Veterinäramtes, des Sozialamtes und des kommunalen Gebäudemanagements. Grund dafür ist ein Volksstimme-Bericht. Das Sozial-Einsatzkommando der Stadt möchte sich selbst ein Bild von der katastrophalen Lage vor Ort machen.

In dem Haus, das bald ein Asylbewerberheim werden soll, leben noch Menschen. Und das unter schlimmen Bedingungen - offenbar seit Jahren. Kein fließendes Wasser, keine Heizung, kein Deckenlicht, eingetretene Türen, zugemüllte Treppenhäuser und Unrat im Innenhof. Die Eigentümerin wohnt in Leipzig und reagierte offenbar nicht auf Beschwerden.

Derzeit steht die Stadt in Verhandlungen mit der Leipzigerin. Magdeburg will den Plattenbau ab Oktober dieses Jahres mieten und in den ungefähr 50 Wohnungen Raum für Asylbewerber schaffen. Zuvor soll die Immobilie noch saniert werden. Erst aus der Zeitung will die Verwaltung erfahren haben, dass in dem Haus noch Leute wohnen. Seitdem sind viele neue Fragen aufgetaucht.

Mehrere Mieter gaben an, schon seit Jahren in dem Plattenbau zu leben. Wie viele Personen noch in dem Haus wohnen, ist allerdings unklar. Die meisten Wohnungen stehen leer. Viele der noch verbliebenen Mieter sind Hartz-IV-Empfänger, deren Miete vom Jobcenter überwiesen wird. Mehrere Personen gaben an, die Mietzahlungen aufgrund der Zustände ganz oder teilweise eingestellt zu haben.

Was bei dem Krisengipfel des Sozial-Einsatzkommandos der Stadt herausgekommen ist, steht nicht fest. Mit den Mietern in dem Haus wurde offenbar nicht persönlich gesprochen. "Der Stadt war bis zur vergangenen Woche nicht bekannt, dass dort Mieter wohnen. Uns war bis dato ein unbewohntes Gebäude angeboten worden", sagte Stadtsprecher Michael Reif auf Nachfrage.

Laut Stadtverwaltung ist der Magdeburger Architekt Rolf Onnen vom Immobilienbüro Onnen Onnen Verwalter des Hauses. Auf Nachfrage bestätigte Onnen, dass heute Verhandlungen zwischen Stadt und Leipziger Eigentümerin stattfinden sollen. Zum Inhalt wollten sich weder er noch Stadt äußern. Die Frage, warum gegen die Zustände in den Wohnungen nichts unternommen wurde, konnte niemand beantworten.