Werder l Der Wunsch der Bündnisgrünen nach einem Baumschutzgutachten, das den Zustand der 90 Linden auf dem Werder und ihre Erhaltungswürdigkeit prüft, scheiterte am Dienstagabend. Ein von Timo Gedlich eingereichter Antrag im Umweltausschuss wurde mit einer Stimme Mehrheit abgelehnt. "Die Befürchtungen der Bürger, dass durch die Fällungen der Linden ein Stück gewachsenes Stadtbild auf dem Werder verschwindet, nehme ich sehr ernst und kann es gut nachvollziehen. Der schnellstmögliche Hochwasserschutz und die Standfestigkeit der Bäume ist aber hier vorrangig zu betrachten. Bei dem Abwägungsprozess komme ich eindeutig zu dem Ergebnis, dass die Lindenfällung hinnehmbar und für entsprechende qualifizierte Ersatzpflanzungen zu sorgen ist", erklärte Ausschussmitglied Denny Hitzeroth gegenüber der Volksstimme.

90 Bäume in der Zollstraße sollen im Zuge des Baus einer Hochwasserschutzmauer fallen. Um die geplante Fällung ist inzwischen eine heiße Diskussion entbrannt. Der Ausschuss für Umwelt und Energie hatte am Dienstag den Bürgern die Möglichkeit gegeben, sich über die geplante Lindenfällung zu äußern. Auch wenn Anwohner, die die Pläne der Stadt befürworten, anwesend waren, meldeten sich während der Anhörung ausschließlich Bürger zu Wort, die sich für einen Erhalt des stattlichen Baumbestandes aussprachen. Aus Sicht der Anwohner müsse nicht jeder Baum gefällt werden. Christine Meier von der Interessengemeinschaft "Elbinsel Werder" bat darum, noch mal zu prüfen, ob nicht nur einzelne Bäume gefällt werden müssen, um die nötige Baufreiheit zu schaffen.

Laut Tiefbauamtsleiter Thorsten Gebhardt gebe es keine Alternative zu den jetzigen Plänen. "Der Hochwasserschutz auf dem Werder steht für uns an allererster Stelle. Wir können nicht mehr das Risiko eingehen, den Werder mit Sandsäcken zu schützen", betonte Gebhardt. Bei den Abwägungsprozessen wurde beispielsweise auch geprüft, die Baumaßnahme auf der Wasserseite durchzuführen. Da es sich hier aber um ein Naturschutzgebiet (Flora-Fauna-Habitat, kurz FFH) handelt, konnte der Plan nicht in Betracht gezogen werden. Zudem hätte man die Voraussetzungen schaffen müssen, die Baustelle bei einer nahenden Flut in wenigen Tagen zu räumen.

Timo Gedlich und Jürgen Canehl (beide Bündnis 90/Die Grünen) kritisierten in der Ausschusssitzung, dass den Stadträten keine detaillierten Informationen zu den geplanten Maßnahmen vorlagen. Dem widersprachen jedoch die Stadträte Frank Schuster (CDU) und Denny Hitzeroth (SPD). Die Bürger auf dem Werder und in den anderen Stadtteilen wurden mehrfach eingehend über den Planungsprozess informiert. Außerdem wurde der Stadtrat Anfang 2014 ebenfalls über eine umfassende Informationsvorlage über die jetzt anstehenden Maßnahmen in Kenntnis gesetzt. "Laut dem öffentlich zugänglichen Protokoll der Bauausschusssitzung haben sich auch die Stadträte der Grünen-Fraktion, auch Jürgen Canehl, an dieser Diskussion beteiligt", erklärte Schuster während der Umweltausschusssitzung.

Grundsätzlich handelt die Stadtverwaltung beim technischen Hochwasserschutz im übertragenen Wirkungskreis, d.h. eigentlich ist Hochwasserschutz Landessache und keine kommunale Aufgabe, erklärte Denny Hitzeroth gestern gegenüber der Volksstimme. "Dass die Stadtverwaltung hier umgehend und in Abstimmung mit dem Land tätig wird, ist dem Umstand geschuldet, dass nach der Hochwasserkatastrophe im letzten Jahr sich der Oberbürgermeister und alle Fraktionen im Rat einig waren, umgehend handeln zu müssen und zu wollen. Dazu wurde ein entsprechender Maßnahmeplan und eine Prioritätenliste Hochwasserschutz kurzfristig vom Stadtrat beschlossen", ergänzte das Stadtratsmitglied.