Die Landeshauptstadt will in der Altenpflege umsteuern. Es sollen mehr Angebote für die Pflege zu Hause statt im Heim geschaffen werden.

Magdeburg l Die Volksstimme hatte am Dienstag aus dem Pflegebericht 2014 der Landeshauptstadt zitiert, der eines offen legte: In Magdeburg werden gemessen am Landesdurchschnitt deutlich mehr Menschen in Pflegeheimen betreut als anderswo. Der Anteil pflegebedürftiger Menschen in Heimen beträgt 42 Prozent. Landesweit liegt er bei 30,5 Prozent.

Einen Tag nach der Veröffentlichung erklärte das städtische Sozialdezernat, diesem Trend mit einem Maßnahmenbündel entgegenwirken zu wollen. Geplant sei eine Zusammenarbeit mit den Pflegekassen, Wohlfahrtsverbänden, privaten Pflegediensten, Wohnungsunternehmen und Projekten Ehrenamtlicher sowie den Ärzten. Letzteren komme eine Schlüsselrolle zu. "Wir wollen die Hausärzte für eine Zusammenarbeit gewinnen", sagte Sozialbeigeordneter Hans-Werner Brüning (Linke). Mit Hilfe der Ärzte solle zukünftig Menschen mit Pflegebedarf die Rückkehr in die eigene Wohnung nach einer Krankenhausentlassung durch rechtzeitiges Bereitstellen notwendiger Informationen erleichtert werden.

Das Dezernat kündigte für das vierte Quartal dieses Jahres die Gründung eines Netzwerkes unter dem Motto "Gute Pflege Magdeburg" an. Die Koordination wird vom Sozial- und Wohnungsamt wahrgenommen.

Magdeburg verfüge über ein vergleichsweise gut ausgebautes Hilfesystem in der Pflege, sagte der Sozialbeigeordnete Hans-Werner Brüning (Linke).

Dennoch glaubten offensichtlich viele nicht an die Möglichkeit einer gesicherten Pflege in der eigenen Wohnung, so dass die Pflege in einem Heim oftmals bevorzugt werde.

Bei einer Auslastung der Heime von weit über 90 Prozent und Wartelisten könne jedoch nicht abrupt umgesteuert werden, argumentierte Hans-Werner Brüning. Allerdings: Ganz gegen den hier angekündigten Trend hatte der Stadtrat jüngst den Bau zweier neuer städtischer Pflegeheime durchgewunken - und Kritik daran vom Tisch gewischt.