Magdeburg (ri) l Reinhard Sixdorf ist 57 Jahre alt. Und er hat erfahren, was es im Arbeitsleben bedeutet, älter zu werden: "Ich habe 15 Jahre auf dem Bau für verschiedene Firmen gearbeitet. Aber wenn man älter wird, fällt einem die Arbeit als Trockenbauer, immer auf Montage, nicht mehr so leicht", berichtet er. Eine neue Chance samt Vollzeitjob bot sich bei Vitanas in Magdeburg. Seit Januar 2011 ist er hier Haustechniker.

Eine große Unterstützung für den Neueinstieg ins Arbeitsleben bot das Bundesprogramm "50plus - Kompetenz und Erfahrung für die Region". Gärtnerarbeiten auf dem 6000 Quadratmeter großen Gelände des Vitanas Demenz Centrums am Schleinufer in Magdeburg, Zimmerpflanzenpflege, Malerarbeiten, Reparaturen jeglicher Art, Umzüge gehören nun unter anderem zu den Arbeiten des Haustechnikers. Wie vielfältig die Arbeit hier sein kann, beweist der Besuch von Kindergartenkindern in der Einrichtung mit einem Sportfest: Da heißt es, Kegelbahn, Tische, Stühle, Pavillons aufbauen und natürlich den großen Grill vorbereiten. Bei Kontakten mit den Bewohnern helfen Haustechniker Sixdorf die Fähigkeiten, die er sich, wie alle Mitarbeiter, im "Böhm-Kurs" angeeignet hat. Das Pflegemodell von Professor Erwin Böhm hat zum Ziel, die sozialen Kompetenzen, welche den Menschen in den ersten 25 Jahren seines Lebens geprägt haben, so lange wie möglich zu erhalten.

Einrichtungsleiterin Christel Dost hat bereits sieben Arbeitnehmer, die nun zum Beispiel als Alltagbegleiter und Pflegehilfe arbeiten, über "50plus" in eine Festanstellung übernommen. Damit ist Vitanas ein herausragender Partner für die Jobcenter und das Technologie- und Berufsbildungszentrum Magdeburg tbz, welches das 50plus-Programm umsetzt. Für Christel Dost ist die Wechselwirkung zwischen den älteren und jüngeren Kollegen sehr wertvoll: "Die Ruhe, Erfahrung und Belastbarkeit der Älteren überträgt sich durch ihr Vorleben und durch Gespräche im Arbeitsalltag auf die Jüngeren."

Rainer Fritzsche, seit 2005 im Projekt "50plus" als Vermittler im tbz tätig und maßgeblich an Sixdorfs Eingliederungserfolg beteiligt, arbeitet eng mit Christel Dost zusammen; weitere Probepraktika mit über 50-Jährigen sind in Planung. Elektriker, Maurer, Klempner und andere Facharbeiter wären gesundheitlich meist nicht mehr in der Lage ihren Beruf auszuüben und deshalb sei der Dienstleistungsbereich ein gutes Arbeitsfeld für die über 50-Jährigen, sagt Fritzsche.

Hinzu käme, dass die von den Jobcentern kommenden zugewiesenen Arbeitslosen durchschnittlich zehn Jahre arbeitslos wären; was nutze ihnen da noch ihre frühere Ausbildung. So würden Dozenten mit Themen wie Personal- und Bewerbungstraining, Arbeitsrecht, gesunde Ernährung, Erste Hilfe, Mobilitätstraining und so weiter Grundlagen für einen neuen Arbeitseinstieg legen. Anschließende vierwöchige Probepraktika brächten Arbeitnehmer und -geber zusammen. "Nur Praktika, welche die Aussicht auf Einstellung in sich bergen, werden vermittelt. Von vier Praktikanten wird im Schnitt einer übernommen", ergaben Fritzsches Erfahrungen.

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