Magdeburg l "Nicht!" Eine Mutter zieht ihren vielleicht dreijährigen Steppke erschrocken von der gläsernen Trennwand zwischen Besuchern und Affen im neuen Haus zurück. Sohnemann hatte eben kräftig dagegen gewummert und sich augenscheinlich nichts Böses dabei gedacht.

Zoodirektor Kai Perret bleibt im Anblick der Szenerie gelassener als die beflissene Erziehungsberechtigte. "Wenn\'s die Tiere störte, dann würden sie sich einfach zurückziehen." Sie haben einigen Platz, sich von jenen Orten zu entfernen, an denen die Besucher ihnen nahe "auf die Pelle rücken" können. Die Tiere tun allerdings meistens das ganze Gegenteil. Sie breiten sich gelassen direkt hinterm Glas aus, lausen und pflegen sich gegenseitig, legen bisweilen regelrecht pingelig ihr "Bettzeug" (zerteilte Jutesäcke) aus und interessieren sich mal mehr und mal weniger für die Schaulustigen. Perret: "Besucher können eigentlich nichts falsch machen. Aber permanent sollte man schon nicht gegen die Wand schlagen."

Warum die Affen so selten draußen zu sehen sind, die Frage stellten sich wieder andere Zoobesucher noch unlängst beim Besuch in den späteren Nachmittagsstunden. Sie hat sich erübrigt. "Während der Eingewöhnung haben die vier Pfleger zunächst die Abläufe im Haus mit den Tieren geübt." Das betrifft zum Beispiel die Fütterung. Das Futter wird den Affenhausbewohnern in separaten Boxen hinter dem einsehbaren Bereich serviert. Sie können es dort verspeisen oder mitnehmen; zum "Picknick" auf dem Baumstamm zum Beispiel.

Indes: Die Eingewöhnung der acht neuen Zoobewohner, die mit Alphatier Karlchen aus Münster nach Magdeburg kamen, gilt nunmehr als abgeschlossen. Perret ist hochzufrieden: "Wir hätten nicht gedacht, dass das so problemlos und schnell funktioniert." Die Truppe ist heimisch im neuen Haus, inzwischen samt Außenanlage. "Jetzt stehen den Tieren in der Regel von 8.30 bis gegen 18.30 Uhr die Türen nach draußen offen." Besondere Schlechtwetterfans seien die Zooschimpansen allerdings auch wieder nicht. Bei starkem Regen, Sturm oder gar Gewitter ziehen sie - wie wir - das Dach überm Kopf vor.

Davon ist keine Spur, als die Volksstimme am Ende der Vorwoche eine Stippvisite am Affenhaus einlegt, um Besucherfragen an den Zoochef weiterzureichen. Die Schimpansen sonnen sich gelassen auf ihrer mit Stämmen und Stricken bestellten "Terrasse", finden den Rasenmäher in der Nachbarschaft offenbar total spannend und lassen sich dann und wann dazu ein, Spaziergänge auf dem Seil zu präsentieren. Dann sagen die Menschen "Ah" und "Oh" und staunen.

"Und was wird aus den beiden?", spricht eine Besucherin den Direktor - zurück im neuen Affenhaus - an. Ihr liegt die Frage auf den Lippen, die aktuell die meisten Zoobesucher - kleine und große - beim Besuch der Anlage bewegt.

Müssen Nana und Wubbo, die beiden Altmagdeburger unter den Schimpansen, ihr restliches Affenleben getrennt von der Gruppe verbringen? Aktuell haben sie sozusagen ihre eigene "Doppelzelle" neben dem Gruppensaal; die Ein- und Ausgänge fest mit Schiebetüren aus Stahl verschlossen.

Die Besucherin staunt über das Vorhaben der Zusammenführung: "Sie wollen die Tiere wirklich noch vergesellschaften?" Dann nickt sie, zufrieden darüber, dass der Zoo mindestens den Versuch wagen will (siehe Textkasten). Wie lange die Bekanntmachung der beiden die Affengesellschaft nicht gewohnten Schimpansen mit der neuen Gruppe dauern wird und ob sie überhaupt gelingt, kann Perret selbst noch nicht genau sagen. "Aber ich bin optimistisch." Wobei der Zoochef bei Wubbo weniger Probleme erwartet. "Das ist eine Schissbüchse. Der wird sich unterordnen." Nana dagegen sei eine starke Persönlichkeit, was den Eintritt in die von Alphatier Karlchen geführte Gemeinschaft nebenan erschweren könnte.

Perret ist zwischenzeitlich auch mit Karlchen auf Du und Du. Sobald der Zoochef in Sichtweite kommt, springt der Affenchef herbei und blickt ihm tief in die Augen. Ob er den Kontakt auch ohne Schutz durch Glas oder Gitter wagen würde? Perret: "Niemals, nein. Ein Schlag von Karlchen und er könnte mir die Schulter brechen." Schimpansen verfügten in etwa über das Vierfache menschlicher Kraft.

Der Versuch der Zusammenführung mit Nana und Wubbo sollte in spätestens einem Jahr gelungen sein. Dann nämlich könnten wieder neue Bewohner Einzug halten, eigener Nachwuchs. Perret: "Bis dahin kriegen hier alle die Pille."

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