Magdeburg (cb) l Wer einmal ein Otto war, der bleibt es oft - mit Leib und Seele, auch wenn er seiner Heimatstadt für eine gewisse Zeit den Rücken kehrt. In der Serie von Volksstimme und Stadtmarketingverein ProM erzählen Magdeburger, warum sie zurückgekommen sind. Heute: Torsten Henke.

Man munkelt, er kenne jeden Kunden persönlich. Selbst, wenn man Torsten Henke nur kurz in einem seiner zwei Autohäuser in Magdeburg besucht, glaubt man dies schnell. Torsten Henke kennt hier viele. Viele kennen ihn. Seine Familie, seine Freunde, seine Geschäftspartner, sie wohnen alle hier. Der 43-Jährige wurde in Magdeburg geboren, erlernte hier trotz seines Kindheitstraumes, Kosmonaut zu werden, zunächst den Tischlerberuf. Nach der politischen Wende wollte er "etwas anderes versuchen". Er entschloss sich, eine Umschulung zum Kfz-Mechatroniker zu absolvieren und ging in den Rhein-Sieg-Kreis. In der Nähe von Köln erlernte er das Auto-Handwerk - nicht ganz ohne Hintergedanken. Der Vater baute seinen Autobetrieb aus. "Für mich war von Anfang an klar, dass ich nach Magdeburg zurückkehre", sagt Torsten Henke. Wieder in seiner Heimatstadt angekommen begann er, Gebraucht- und Neuwagen zu verkaufen, spezialisierte sich auf eine Automarke. Wichtig für ihn war, erzählt er, dass seine Frau "das auch alles wollte". Sie hätte im Rhein-Sieg-Kreis weiter in einem guten Job arbeiten können, ihn hätte man im Betrieb übernommen. "Mein Herz ist aber in Magdeburg geblieben", begründet er den Rückkehrschritt. Er sagt: "Es stand nie zur Debatte, dort zu bleiben. Ich bin ein sehr überzeugter Magdeburger." Henke war damals der Exot im Ausbildungsbetrieb, sprach viel über den Osten und Magdeburg.

Einige Kollegen hat er so neugierig gemacht, dass sie noch Jahre später an die Elbe kamen, um zu sehen, was es mit Magdeburg auf sich hat. 1993 begann die Familie damit, Schritt für Schritt den Autohandel aufzubauen. Torsten Henke hat heute die Verantwortung für 13 Mitarbeiter, ist so verwurzelt in dieser Stadt, dass ein Weggang "überhaupt nicht in Frage kommt".

Als Vater empfindet er Magdeburg als "extrem familienfreundlich". Die Tochter besucht die Grundschule "Am Elbdamm", wechselt bald auf das Gymnasium. "Mit einem Kind kann man hier viel machen", sagt er und beschreibt, wie schön der Elbauenpark und der Kletterpark sind. Er ist Vorsitzender des Fördervereins der Grundschule und des Cracauer Gewerbevereins. Wenn er zurückblickt, dann meist wohlwollend: "Magdeburg hat sich gut entwickelt. Die Architektur und die Strukturen werden immer besser." Klar, in Köln würde man mehr Geld verdienen, weiß er: "Aber es kommt kein anderer Standort in Frage. So wie es ist, ist es. Und so ist es gut."

Morgen: Karina Schwarz, Fachanwältin für Insolvenzrecht.

Alle Porträts auch im Internet unter www.magdeburg-stadtmarketing.de