Magdeburg l Die jungen Ahornbäume und Schwarzpappeln standen gerade mal acht Monate am Glindenberger Weg. Die Apfel- und Birnenbäume auf der Streuobstwiese am Sülzeanger trugen ihre ersten Früchte. Dann kamen die Unbekannten mit kleinen, aber effektiven Sägen und machten kurzen Prozess. Viele der Bäume, die erst im November 2013 gepflanzt worden waren, tragen tiefe Schnittwunden unten an den Stämmen oder sie sind gänzlich umgesägt. Einige sind bereits abgestorben, wie die braunen, vertrockneten Blätter zeigen.

"So etwas habe ich in 30 Jahren nicht gesehen", ist Hartmut Beyer fassungslos beim Anblick der Bäume auf der Ausgleichsfläche am Glindenberger Weg. "Hier hatte einer mächtige Wut im Bauch", glaubt Frank Sonntag vom Tiefbauamt. Beyer, Baumsachverständiger beim Eigenbetrieb Stadtgarten und Friedhöfe Magdeburg, Frank Sonntag und weitere Vertreter von Ämtern und Firmen, die in dieser Woche den Schaden vor Ort begutachtet haben, können nicht glauben, dass das üblicher Vandalismus gewesen sein soll. "Das hat richtig Arbeit gemacht", ist man sich einig. Zumal die Sägespuren und -späne darauf hindeuten, dass hier nicht mit schwerer Technik, sondern mit feinen speziellen Handsägen gearbeitet wurde.

Vertrag gekündigt

Auffällig auch: Beide betroffenen Flächen, sowohl am Glindenberger Weg im Gewerbegebiet Nord als auch am Sülzeanger im Kannenstieg, waren erst jüngst von ein und derselben Gartenbaufirma bepflanzt worden. Mit ihr geriet die Stadt bald darauf in Streit über die Umsetzung genau dieser Maßnahme. Sie fand als sogenannte Ausgleichspflanzung für zuvor gefällte Straßenbäume am Glindenberger Weg statt. Insgesamt hatte die Stadt 218 junge Bäume für drei Standorte bei der Firma Thormann Garten- und Landschaftsbau Radegast bei Köthen geordert. Der Betrieb hatte zugleich den Zuschlag für die Pflanzungen und die Pflege über 3 Jahre erhalten. Zu einem unschlagbaren Preis, wie Frank Sonntag berichtet. 120000 Euro waren für die Gesamtleistung avisiert. Firma Thormann machte es für etwa die Hälfte. Und bekam daher den Auftrag. "Es gab für uns vorab keine Anhaltspunkte, dass der Betrieb das nicht ordentlich erledigt", sagt Sonntag.

Doch es kam anders. Die Stadt als Auftraggeber und die Firma Thormann waren bald uneins über die Ausführung der Leistung. Die Stadt beklagte gravierende Mängel und hat den Vertrag vor einiger Zeit gekündigt. Für die Mängel habe man einen Teil der Summe einbehalten, den Rest bezahlt, heißt es. "Die Kündigung hatten wir uns nicht leicht gemacht. Das ist auch für uns als Verwaltung ein Riesenaufwand", beteuert Frank Sonntag, der 2012 Projektleiter beim Ausbau des Glindenberger Weges gewesen war. Die Stadt beauftragte unterdessen eine neue Landschaftsbaufirma mit der Pflege. Deren Mitarbeiter entdeckten am 11. August das Baumsterben an den Standorten Glindenberger Weg und Sülzeanger. Der Verlust ist für die Stadt erheblich: "Wir rechnen mit Totalschaden", sagt Baumexperte Hartmut Beyer. Frank Sonntag schätzt den Schaden auf insgesamt bis zu 40000 Euro.

Polizei ermittelt

Das Tiefbauamt hat Anzeige bei der Polizei erstattet. Deren Sprecher Frank Küssner bestätigt den Eingang. Ermittelt werde gegen unbekannt. Er bittet mögliche Zeugen, sich bei der Polizei zu melden (Tel. 5461740). Der Tatzeitraum wurde offiziell vom 22. Juli bis 11. August 2014 angegeben.

Gibt es womöglich einen Zusammenhang zwischen dem Streit von Stadt und Gartenbaufirma und diesem Anschlag? War es eine Trotzreaktion? Firmenchef Joachim Thormann weist das entschieden zurück. Das Projekt sei noch gar nicht abgenommen und von der Stadt nicht vollständig bezahlt. Damit seien die Bäume noch Eigentum seiner Firma. "Und wir werden doch unser Eigentum nicht kaputt machen", argumentiert er gegenüber der Volksstimme.

   

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