Magdeburg l Die Einladung klingt zunächst nach viel Freude über den Anlass. "Es wird Zeit geben für interessante Gespräche und besondere Fotomotive", schreiben die MVB. Wer möchte, kann bei dem Akt der Namensumbenennung also dabei sein. Ab Montag, 12 Uhr, heißt die Haltestelle mit dem wohl prominentesten Namen "Domplatz" künftig "Domplatz/Volksbank".

Verkehrsbetriebe geben nur spärlich Auskunft

Der Akt der Umbenennung wirft jedoch Fragen auf. Wie kommt es zu der Namensumbenennung? Kann jeder in Magdeburg mit dem nötigen Kleingeld die Namensrechte für eine Haltestelle kaufen? Wimmelt es in Magdeburg - sagen wir - bald von "Lidl"-, "Penny"-, "Aldi"-Haltestellen, weil ein Markt zufällig in Ausstiegsnähe steht? Die Fragen bleiben vorerst unbeantwortet. Die MVB hüllen sich auf Volksstimme-Anfrage so gut wie in Schweigen. Ein am Montag übersandter Fragenkatalog blieb auch gestern trotz Nachfrage weitgehend unbeantwortet. MVB-Sprecher Tim Stein teilte am Nachmittag per E-Mail lediglich mit: "Die Namensgebung von Haltestellen erfolgt in der Verantwortung unseres Unternehmens primär mit eindeutigem Ortsbezug zu angrenzenden Straßen und Plätzen oder Einrichtungen, die den Ort prägen. Darüber hinaus bieten wir diese auch der freien Wirtschaft an, um für uns zusätzliche Einnahmequellen in Form eines ,Rand- und Nebengeschäfts´ zu erschließen. Über Ihr Kommen am kommenden Montag würden wir uns freuen, wozu Sie dann auch eine Presseinformation erhalten werden mit mehr Details."

Darauf wollte die Volksstimme nicht warten und sprach mit der Volksbank. Deren Vorstandsvorsitzender Helmut Seibert geht mit Thema ganz offen um. "Mir kam die Idee, weil auch ich viel mit der Straßenbahn fahre und so auf Haltestellen wie `AOK` und `Enercon` aufmerksam wurde. Da habe ich mir gedacht: Das wäre auch was für unser Haus." Seibert schickte seine Leute in die Spur und hatte Erfolg. Nach anfänglichem Zögern ließen sich die Verkehrsbetriebe auf das Geschäft ein. Die Volksbank "mietet" also den Haltestellen-Namenszusatz für mindestens ein Jahr. "Das war nicht kostenlos", bestätigt der Volksbank-Vorstandschef dabei, ohne Zahlen nennen zu wollen. Nach Volksstimme-Recherchen dürfte es sich aber um einen mittleren fünfstelligen Betrag pro Jahr handeln. Zur reinen "Namensmiete" kommen schließlich noch die Kosten für die Neubeschriftung der Haltestelle, der Haltestellenpläne, der Internetauftritte und die Ansage in den Bahnen hinzu.

Die Volksbank jedenfalls freut die Umbenennung verständlicherweise ungemein. "Alle paar Minuten wird in der Bahn der Name unseres Hauses angesagt. Das ist aus Marketingsicht eine hervorragende Möglichkeit, auf unsere Bank hinzuweisen", so Helmut Seibert.

Daraus ergeben sich jedoch weitere offene Punkte, die aber nur die MVB beantworten können, aber derzeit nicht wollen. Einer davon lautet: Im Beispiel Domplatz ist eine rein werblich motivierte Umbenennung möglich, an einer anderen und aus touristischen Gründen viel wichtigeren Haltestelle aber nicht: Die Haltestelle "Bördelandhalle" heißt noch immer so, obwohl die Halle schon seit mehreren Jahren unter "Getec-Arena" firmiert. Der auswärtige Besucher, der Park-and-Ride-Angebote nutzen soll, findet diesen wichtigen Veranstaltungsort also nicht unter seinem aktuellen Namen auf der Bus- und Bahnlandkarte der Landeshauptstadt.

Getec will auf die Verkehrsbetriebe zugehen

Auch diese Frage hätte die Volksstimme gern von den MVB beantworten lassen. Nach der spärlichen Mail des Unternehmens gestern um 15.09 Uhr war der Pressesprecher telefonisch nicht mehr erreichbar. Dafür stand Getec-Vorstandschef Karl Gerhold noch zur Verfügung. Er sagte am Abend: "Wir werden diese Debatte nutzen und auf die MVB zugehen, um mit ihr über den Namen an der Haltestelle an der Getec-Arena zu sprechen."