Magdeburg (ha) I "Morgens um 4 Uhr klopfte manch einer an die Regenrinne, um sich noch schnell frisieren zu lassen, bevor sein Zug fuhr", erinnert sich Waltraud Gebhardt lachend an ihre frühen Jahre im väterlichen Salon. Der war in Alleringersleben und auf dem Land gehen die Uhren eben ein bisschen anders, scherzt ihre Schwägerin Ingeborg Heine.

Gemeinsam mit deren Mann Oswald Heine, dem Zwillingsbruder von Waltraud, besuchten sie am Mittwoch das Friseurmuseum in der Beimssiedlung. Leiterin Barbara Psoch nahm sich die Zeit, ihre drei Berufsgenossen durch die Einrichtung zu führen. Gemeinsam schwelgten sie in Erinnerungen.

Den Überraschungsbesuch in Magdeburg hatte Waltrauds Tochter Viola Klaeden eingefädelt. Sie arbeitet in der Stadt und kannte das Museum aus der Zeitung. Selbst ist sie nicht in die Fußstapfen von Mutter, Onkel, Tante und Opa Willi Heine getreten, hielt aber oft und gerne als Modell her. Noch heute schwingt ihre 81-jährige Mutter die Schere in der Familie.

Bruder und Schwägerin sind aus besonderem Grund in die alte Heimat zurückgekehrt. Waltraud und ihr Mann Werner Gebhardt feierten am 21. August diamantene Hochzeit. Oswald ging 1957 in den Westen. Zwölf Jahre später machte er dort mit seiner Frau einen Salon auf, den sie bis 1996 führten.

Besonderes Augenmerk legte Barbara Psoch bei ihrer Führung auf die erst im Mai eröffnete Perückenmacherwerkstatt, wusste sie doch, dass Waltraud Gebhardt selbst früher Perücken anfertigte. Ihren Frisiersalon in Alleringersleben schloss Waltraud bereits 1979. "Heute ist das meine Wohnstube", erzählt sie.

Gemeinsam mit dem (Schwieger-)Vater waren sie auch beim Schaufrisieren im Kristallplast dabei und hielten als Modell für seine historischen Frisuren her. Hier wird die Museumsleiterin hellhörig und fragt gleich: "Haben Sie davon noch Fotos?" In der Hoffnung, den Bestand zu erweitern. Ingeborg Heine war davon so angetan, dass sie beim Meistertreffen in Stuttgart vom Magdeburger Friseurmuseum berichten will.

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