Magdeburg l Vor einem Jahr ist in Magdeburg das sogenannte Handyparken eingeführt worden. Seitdem muss man in der Landeshauptstadt nicht mehr ein Ticket am Automaten ziehen, sondern kann unter Angabe des Kennzeichens ein digitales Ticket per Kurznachricht über das Handy buchen.

Neben viel Lob und steigender Beliebtheit zweifeln Prüfer nun an der Wirtschaftlichkeit des derzeitigen Konzeptes. In einem Prüfbericht (liegt der Volksstimme vor) ist von einer zusätzlichen Belastung für die Stadtkasse in Höhe von 44 000 Euro die Rede. Die Prüfer raten in ihrem Fazit sogar davon ab, den derzeitigen Zweijahresvertrag mit der Betreiberfirma Sunhill aus Erlangen zu verlängern. Das Unternehmen kritisiert hingegen die Berechnung der Prüfer und sagt, dass das System in Magdeburg von mehr als 100 Städten mit am besten genutzt werde.

Laut Prüfbericht wurden in der Landeshauptstadt allein im Februar dieses Jahres mehr als 16 800 SMS-Zahlungen getätigt. Das entspricht einem Gegenwert von ungefähr 23 000 Euro. Die Prüfer gehen davon aus, dass ein Jahresumsatz von 300 000 Euro realistisch ist und nach einer Einführungsphase sogar noch übertroffen werden kann. Dem gegenüber stellen die Prüfer eine Belastung der Stadtkasse in Höhe von 44 000 Euro im Jahr. Darin enthalten ist etwa ein Prozentsatz, der für die Betreibung des Systems an Sunhill abgeführt wird.

Der Vertrag mit der Erlanger Firma läuft über zwei Jahre und enthält eine Option auf Verlängerung. Geht es nach den Prüfern, sollen die Stadträte nun entscheiden, ob diese Option gezogen werden soll. Eine Alternative wäre eine Neuausschreibung oder eine "geänderte Form der Fortführung", wie der Leiter des Rechnungsprüfungsamtes, Jochen Klapperstück, der Volksstimme auf Nachfrage sagte.

Nach Informationen der Volksstimme hat Magdeburg beim Landesverwaltungsamt angefragt, ob es die Höchstgebühren für das Parken im Zentrum (50 Cent pro 30 Min.) anheben kann. So sollen die Kosten in Höhe von 44 000 Euro als Servicegebühr für alle SMS-Parker umgelegt werden. Eine andere Alternative wäre, dass Magdeburg selbst das Betreiben des SMS-Services übernimmt.

Kritik an den Rechnungsprüfern kommt unterdessen von dem Erlanger Unternehmen. Es sei beispielsweise nicht berücksichtigt worden, was die herkömmliche Automatennutzung kostet und wie hoch die Mehreinnahmen durch das neue und bequemere Modell für die Stadt seien. "Magdeburg hat seit der Einführung einen absoluten Raketenstart hingelegt und zählt zu den Topstädten", sagte Unternehmenschef Christoph Schwarzmichel.