Im Lindenstreit spitzt sich die Diskussion über die geplante Baumaßnahme weiter zu. Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen ist davon überzeugt, dass die jetzigen Pläne zur Fällung der 90 Linden nicht alternativlos sind. Umweltminister Hermann Onko Aeikens befürwortet unterdessen die geplante Hochwasserschutzmaßnahme der Stadt.

Werder l Bei einem Spaziergang entlang der Linden in der Zollstraße wollten am Sonnabend die Bündnisgrünen den Bürgern die Möglichkeit geben, sich mit Magdeburger Stadträten auszutauschen, wie eine maximale Anzahl der Werder-Linden im Einklang mit der geplanten Hochwasserschutzmauer erhalten werden kann. Gerade einmal die Hälfte der knapp 40 Teilnehmer des "Lindenspazierganges" lebt auf dem Werder. Vor allem Stadträte und Mitglieder der Bündnisgrünen sind anwesend.

Jens Winter wohnt auf der anderen Seite der Elbe und blickt tagtäglich auf den Werder. Er bedauert es, dass die Stadt eine der schönsten Alleen abholzen will. "Wenn die Möglichkeit besteht, sollen die Linden erhalten werden. Das Stadtbild wird sich durch die Fällung verändern", so der Magdeburger. Derselben Meinung sind Marlies und Fredi Fröschki. Sie leben seit 1974 auf dem Werder. Die Bäume seien Bestandteil des östlichen Elbufers.

"Das Hauptproblem wird mit der Hochwasserschutzwand nicht gelöst. Die Elbe braucht mehr Freiraum", sagt Fredi Fröschki. Auch Christine Meier lebt seit vielen Jahren auf dem Werder. Mit einem Zollstock und einem Maßband hat sie die Bäume unter die Lupe genommen und einen Lageplan erstellt. "Es geht nicht darum, den Hochwasserschutz an sich infrage zu stellen. Es gibt immer mehrere Wege zu einem Ziel und hier geht es darum, nicht einfach alle Lindenbäume einfach zu fällen, sondern sehr sensibel mit den erhaltenswerten Bäumen umzugehen", so die langjährige Sprecherin der Interessengemeinschaft Elbinsel Werder.

Umweltminister sieht keine Alternative

Befürworter, die die Hochwasserschutzmaßnahme der Stadt einschließlich der Fällung der Linden befürworten, waren am Sonnabend nicht vor Ort. Die Junge Union (JU), die durch eine Online-Petition jenen Bürgern eine Abstimmungsmöglichkeit gegeben haben, die das Hochwasserprojekt unterstützen und die dafür auch die Fällung der 90 Linden in Kauf nehmen, sind nicht anwesend. Nur zu Beginn der Veranstaltung erheben sich Stimmen gegen die Aktion der Grünen. Das Plakat der Bündnisgrünen "Trümpers Traum: Ohne Baum" an der Zollbrücke sorgt für Unverständnis. Auch Johanna Grube schüttelt den Kopf über die Initiative der Grünen. "Die Leute haben vergessen, was hier passiert ist. Ich habe Sandsäcke mit geschleppt. Die Argumente für den Hochwasserschutz und für die Lindenfällung sind überzeugend. Ich hoffe, der Bürgermeister setzt sich durch", sagt die Werderanerin.

Post gibt es unterdessen von Sachsen-Anhalts Umweltminister Hermann Onko Aeikens. Werderaner hatten den Minister in einem Schreiben um Unterstützung für den Erhalt der Werder-Linden gebeten. Doch auch Aeikens sieht die Fällung als unumgänglich im Zuge der Umsetzung der Hochwasserschutzmaßnahme. "Bei allen möglichen Varianten ist ein Kronenschnitt notwendig. Ferner werden durch das Einbringen der Spundwand die Wurzeln der Linden beschädigt, so dass ein Verlust der Bäume erwartet wird", schreibt der Umweltminister. Auch bei anderen Ausführungsvarianten würden nach Aussagen der Fachleute die Wurzeln der Linden derart beschädigt werden, dass die Linden absterben würden.

Antrag für Baumerhalt im Stadtrat

Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen bringt gemeinsam mit der linken Fraktion in der Stadtratssitzung am 4. September einen Antrag ein, der das Ziel verfolgt, die Realisierung der Hochwasserschutzmauer und den Erhalt einer maximalen Anzahl von Werder-Linden in Einklang zu bringen. Auch fordern die Grünen die Einsicht in die Zustandsberichte der Bäume in der Zollstraße. Die Übergabe der Unterlagen hat der OB bislang verwehrt, erklärt Grünen-Stadtrat Jürgen Canehl am Sonnabend. Auch sei noch ein Gespräch mit Tiefbauamtsleiter Thorsten Gebhardt geplant.

   

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