Die Wände der Wohnblöcke im Stadtteil Neu-Olvenstedt, die in den 1980er Jahren entstanden sind, verfügen über eine integrierte Dämmung. Ein Beispiel zeigt, dass zusätzliche Dämmmaßnahmen bei Sanierungen nicht notwendig sind.

Neu-Olvenstedt l Die Sanierung von Wohnhäusern ging in der Vergangenheit meist einher mit dem Installieren von dicken Polystyrolplatten als Dämmschicht im Fassadenbereich. Nicht so im Stadtteil Neu-Olvenstedt, der vom industriell gefertigten Wohnungsbau geprägt ist. Dies zeigt sich am Beispiel der Wohnungsbaugenossenschaft Magdeburg-Stadtfeld. Die Wandplatten der Wohnungsbauserie (WBS) 70 verfügen bereits über gute Dämmeigenschaften, so Vorstand Frank Rückriem. Er sieht den "Dämmwahn" in den zurückliegenden Jahren kritisch. Denn: "Bei den Plattenbauten ist das Einsparpotenzial eher sehr gering. Daher ist der Aufwand und Nutzen zu überdenken."

Die Genossenschaft hat sich entschlossen, bei den Sanierungs- und Rückbaumaßnahmen im Bestand von Neu-Olvenstedt jeweils die letzte Wohngeschossdecke zum Dachbereich mit Dämmwolle zu dämmen. Ebenfalls gedämmt werden die Kellerdecken mit einer Spritzdämmung, die gleichzeitig Brand- und Wärmeschutz erfüllt, sowie die Giebel. Die dreischichtigen Außenwände der WBS 70 verfügen von innen nach außen über eine Tragschicht, eine etwa 60 Millimeter dicke Dämmschicht aus Styropor im Kern und eine Verschalung, so Bauingenieur Wolfgang Schmelzer. Als Achillesferse der Wände gilt das Fugensystem mit den sogenannten offenen Fugen, die Witterungsbedingungen ausgesetzt sind. Diese gilt es bei der Sanierungen zu schließen.

Der Verzicht auf die Styropordämmung habe u.a. die Vorteile, dass geringere Kosten bei den Sanierung anfallen. Außerdem werde der Austausch des Baustoffes umgangen, wenn dessen Lebenszeit abgelaufen sei und er dann entsorgt werden müsse. Was verblüfft: Im Jahr 2008 (Grundlage die Jahre 2005 bis 2007) weist der Energieausweis einer Wohnung in einem damals noch unsanierten Wohnblock am Gneisenauring einen Energiebedarf (Wärme, Strommix und Warmwasser einbezogen) von 91 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr aus. Schon dies entspricht dem Niveau eines neugebauten Mehrfamilienhauses. Der spezifische Verbrauch einer Raumheizung beläuft sich nach der Sanierung auf 61 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr. Einsparungen durch eine Dämmung der Fassade sei da kaum noch möglich, hieß es. "Konkret für den Mieter bedeutet das, dass wir bei den Sanierungen die Fassade instand setzen. Die Modernisierungsumlage bezieht sich nur auf die gedämmten Flächen im Giebel- und Kellerbereich", so Rückriem. Der Preis falle für Mieter aus seiner Sicht moderat aus.